Schlagwort: obstruktives Schlaf-Apnoe-Syndrom

Blutungen nach Mandeloperationen

Winterzeit. Infektzeit. Zusammen mit der Neigung Infektionen der Atemwege entwickeln viele Kleinkinder auch eine Vergrößerung ihrer Mandeln (Tonsillen).

Abbildung 1. Tonsillenhyperplasie. Beide Gaumenmandeln berühren sich „kissing tonsils“, die Restöffnung wird durch das Zäpfchen (oben in der Mitte) verlegt.

In einigen Fällen kann diese Tonsillenhyperplasie (so nennt sich die Mandelvergrößerung medizinisch) zu weiteren Problemen führen: einmal dadurch, dass in den vergrößerten Mandeln äußerlich nicht sichtbare Eiterherde auftreten die immer wieder zu teilweise heftigen eitrigen Entzündungen des Organs führen. Zum anderen durch die Größe an sich. Betroffene Kinder haben eine durch die großen Mandeln eine Einengung der oberen Atemwege. Das lässt sie in den meist auffällig schnarchen. Ein weitere Folge kann die mangelnde Sauerstoffunterversorgung sein: obstruktives Schlaf-Apnoe-Syndrom. Dieses Krankheitsbild hat wiederum Konzentrationsstörungen, Müdigkeit und teilweise schwere Kieferverformungen zur Folge.

Ist ein Schlaf-Apnoe-Syndrom durch zu große Mandeln gesichert, ist meist eine Entfernung der Mandeln (sog. Tonsillektomie) wichtig. Diese Operation ist jedoch mit dem Risiko von  Nachblutungen verbunden, weswegen man die Indikation zur Operation sehr streng stellt. In den Jahren 2006 und 2007 sind in Österreich 5 Kinder an einer solchen Blutung verstorben. Dies führte dort einerseits zu strengeren Richtlinien und zur „Österreichischen Tonsillenstudie 2010„, einer großangelegten prospektiven Studie, die die Risiken beleuchtet. Darin setzen sich die Autoren um Stefanie Sarny und Mitarbeiter von der Universitäts-HNO-Klinik in Graz (Österreich) mit dem Thema auseinander.

Untersucht wurde die Häufigkeit von Nachblutungen nach 4437 Tonsillektomien (komplette Entfernung beider Gaumenmandeln). Es zeigte sich, dass bei den 946 Operationen im Kindesalter die Rate an Nachblutungen mit 9.2% für Kinder unter 12 Jahren lagen. Bei Erwachsenen war das Risiko mit einer Rate von 15.8% fast doppelt so hoch. Männliche Patienten waren mehr gefährdet. Ähnliche Daten liegen auch aus Großbritannien vor. Die Art der Operationstechnik spielte für das Risiko eine entscheidende Rolle.

Fazit:

Eine Entfernung der Mandeln kann für einige Kinder – gerade mit obstruktivem Schlaf-Apnoe-Syndrom ein Segen sein. Wegen der Risiken ist jedoch vor der Tonsillektomie eine sorgfältige Abwägung wichtig, ob ein sicherer medizinischer Grund für diesen Typ der Operation vorliegt. Als Alternative gibt es auch die Tonsillotomie, bei der die Gaumenmandel lediglich gekappt werden. Das Blutungsrisiko hierbei ist deutlich geringer. Diese Operation ist jedoch nicht für alle Problemstellungen gleichermaßen geeignet.

„Mein Kind ist so oft krank, da sollten endlich mal die Mandeln raus genommen werden“ ist jedoch in keinem Fall ein Grund für eine Operation.