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HPV-Impfung – nun endlich auch für männliche Jugendliche

In diesem Monat kam die überraschende Vorabinformation der STIKO (Ständige Impfkommission) am RKI (Robert-Koch-Institut, Berlin): Sie „empfiehlt die Impfung gegen humane Papillomviren (HPV) für alle Jungen im Alter von 9 bis 14 Jahren. Eine Nachholimpfung wird bis zum Alter von 17 Jahren empfohlen. Die HPV-Impfempfehlung für Mädchen bleibt unverändert“. Diese Empfehlung war aus medizinischer Sicht seit Jahren überfällig.

Neue Erkenntnisse stehen nicht dahinter, wie SPIEGEL-online suggeriert. Eigentlich ist einfachste Logik ausreichend. Wenn heterosexuelle Mädchen an Gebärmutterkrebs erkranken, dann findet die Übertragung beim Sex statt. Bei dieser Gruppe von jungen Frauen sind also die männlichen Partner die Überträger. Das dürfte wohl bekannt sein. Im Übrigen ist auch bekannt, dass Analkrebs und Peniskrebs durch die HPV-Viren ausgelöst werden kann.

Es ging vermutlich mal wieder ums Geld. Die Impfung ist mit jeweils 150€ pro Dosis außerordentlich teuer. Und je nach Alter sind 2 oder 3 Dosen erforderlich, also pro Proband mindestens 300€ für eine wirksame Impfung. Schade, dass da nicht offen drüber gesprochen wird. Warum bei Geld immer die Scham so bedeutsam wird? In Australien wird die Impfung für die männlichen Jugendlichen schon seit 2013 angeboten. Die Impfung wird auf dem fünften Kontinent von den Jugendlichen gerne angenommen, die Erfolgsquoten sind entsprechend gut.

Ein ähnliches Thema war unter Kinderärzten früher die Rötelnimpfung. Bis in die 1990ger-Jahre wurden nur Mädchen geimpft, um deren Babies vor der Rötelnembryopathie zu schützen. Es dauerte lange, bis allen klar war, dass es in der Welt auch (ungeimpfte) Männer und Väter gibt. Die ein stellen ein gleich hohes Risiko für den Nachwuchs dar wie alle anderen Menschen auch.

In diesem Zusammenhang sollte vielleicht auch in der Medizin über einen Männerbeauftragten diskutiert werden. Seit zwei Jahren hat Matthias Becker diese Funktion in Nürnberg inne. Seine Aufgabenstellungen sind vermutlich andere. Aber das Thema Impfung scheint durchaus auch einen Stellenwert in der Gender-Forschung einnehmen.