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Plötzlicher unerklärter Säuglingstod

Die Geburt eines Kindes ist für Eltern ein besonderer Glücksmoment im Leben. Doch diesem speziellen Tag folgten in der Geschichte der Menschheit vermutlich immer Perioden, die Eltern sehr belasteten. Früher – und heute noch in vielen Ländern Afrikas – kam die Sorge, ob das Kind angesichts von Not und Hunger die ersten Wochen und Monate überleben würde. Im Herzen Europas von heute müssen Eltern fürchten, dass ihr strahlendes Neugeborenes vielleicht am plötzlichen Kindstod sterben muss.

Der plötzliche Kindstod, oft auch SIDS (sudden infant death syndrom) genannt, ist in den vergangenen Jahrzehnten tief im Bewusstsein von Eltern verankert worden. Mit der Aufklärung wollten Mediziner dazu betragen, dass die Häufigkeit dieses heimtückischen Todes schnell gesenkt würde. Heute wird der Begriff SUDI (sudden unexpected death in infancy) verwendet, der auf die Unerklärlichkeit dieses Todes hinweist. Bis heute gibt es keine einfache und schlüssige Erklärung. Es ist zu vermuten, dass viele Faktoren zusammenwirken.

Abbildung 1. SIDS-Daten von 1979 bis 2017 aus Hamburg . Foto Jan P. Sperhake, DGKJ Leipzig 2018

Ganz wichtig ist aber zu wissen, dass die Häufigkeit dieses schrecklichen Todes massiv zurückgegangen ist, seit sich die Medizin intensiv damit auseinandersetzte. Die Daten aus Hamburg sind besonders aussagekräftig, weil dort am UKE (Universitätsklinikum Eppendorf) die Daten aller Todesfälle des Stadtstaates erfasst werden. Wie die nebenstehende Abbildung (Abb. 1) zeigt, ging die Häufigkeit des SUDI von 1979 bis 2017 von etwa 2.5 Todesfällen auf 1000 Neugeborene auf unter 0.25 Todesfälle zurück. Ein riesiger Erfolg!

Was hat dazu geführt? In den letzten 30 Jahren wurden zum einen Risikofaktoren für das Auftreten des plötzlichen Säuglingstodes identifiziert und – noch wichtiger – den Eltern vermittelt. Diese haben die Hinweise dann auch mehrheitlich umgesetzt, was eine riesige Leistung ist. Aus heutiger Sicht sind folgende Risikofaktoren besonders wichtig. Vermieden werden sollte:

  • Bauchlage (und Seitenlage) als Schlafposition.
  • Rauchen während der Schwangerschaft ….
  • …. und in der Umgebung des Kindes
  • Isolierende Kleidung, Bedeckung, Decken, Kissen.
  • „Bed-sharing“ (siehe im nächsten Abschnitt)
  • Nicht-Stillen

Abbildung 2. „The Family Bed“. Foto: amason.com

In den letzten Jahren ist das Bed-sharing vielen Eltern wichtig geworden: Die Eltern schlafen im gleichen Bett wie ihre Kinder. Das wurde vor 100 Jahren aus Not (Familien hatten meist nur ein einziges Bett) und vor 50 Jahren aus Überzeugung gemacht, wie das nebenstehende Buch verdeutlicht. Heute ist unstrittig, dass das Bed-sharing für Kinder in den ersten 3 Lebensmonaten am gefährlichsten ist: Je nach Studie liegt das Risiko für plötzlichen Säuglingstod 9-12 x höher! Danach sinkt es deutlich ab. Aus dieser Sicht empfehlen die Kinder- und Jugendärzte, den Säugling in seinem eigenen Bettchen im Schlafzimmer der Eltern zu haben und außer morgens zum Kuscheln, nicht ins Elternbett zu holen.

Der plötzliche Säuglingstod ist weiterhin ein enormes Risiko für Kinder in den ersten Lebensmonaten. Bei Beachtung einiger Faktoren, lässt sich dieses Risiko um über 90% absenken.