Schlagwort: Prävention

Körperliche Aktivität von Kindern

Ernährung und Bewegung bleiben wichtige Themen, mit denen sich Eltern auseinandersetzen müssen. Nur bei wenigen Kindern stehen Nahrungszufuhr und körperliche Aktivität immer in einem guten Gleichgewicht. Das Angebot an Essen ist enorm und das zu günstigen Preisen. Und die Verführung wird von der Industrie hoch gehalten, in dem immer neue Produkte zum Verzehr einladen. Diese sind oft recht fett (Fett vermittelt besseren Geschmack) oder süß. Und meist beides zusammen.

Auf der anderen Seite werden Kinder und Jugendliche an Bildschirmen aller Art gehalten. Ob das nun Filme zur guten Unterhaltung sind, Chat-Räume um sich mit Freunden auszutauschen oder Spiele, die Geschicklichkeit verlangen – allesamt binden sie an ein Gerät und halten die jungen Menschen von der Lust an Bewegung ab. Hinzu kommt, dass viele Eltern den Kindern keinen Schulweg mehr „zumuten“ wollen. Zumindest nicht wenn es regnet, wenn es schneit oder heiß ist. Also fast immer.

Soviel Mathematik muss schon sein: Kalorienreiches Essen + weniger Bewegung = mehr Gewicht.

In Deutschland hat die KIGGS-Studie (Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland) wichtige Daten zu diesem Themenbereich beigetragen.

Abbildung 1. KIGGS-Studie. Kinder und Jugendliche, die täglich mindestens 60 Minuten körperlich aktiv sind (Prozentanteile an der gleichaltrigen Bevölkerung). Daten von 2014-2015 . Foto: Robert-Koch-Institut, Studie KIGGS Welle 2

Besonders auffällig ist, wie wenig sich Kinder bewegen. Selbst bei Vorschulkindern ist gerade mal jeder zweite Junge mindestens 60 Minuten am Tag körperlich aktiv. Bei den Mädchen sind es 10% weniger. Wie die nebenstehende Abbildung 1 zeigt geht die körperliche Aktivität mit zunehmendem Alter weiter zurück – und dies besonders bei den Mädchen. Als Jugendliche bewegen sich weniger als 10% der Mädchen noch regelmäßig.

Es dürfte schwierig sein, einen Jugendlichen mit Argumenten zu körperlicher Aktivität anzuregen. Die Chance gibt es ganz früh. Eltern sollten ab Geburt körperliche Aktivität vorleben. Das kann zunächst der Sonntagsspaziergang mit den Großeltern sein (peinlich?) oder ein Waldspaziergang mit dem Kinderwagen. Später gehen die Eltern mit dem Kind zu Fuß in den Kindergarten und zeigen, dass der Regen einen besonderen Reiz hat. Auf diese Art übernehmen die Kinder irgendwann dieses Vorbild. Mag sein erst 20 Jahre später. Aber immerhin.

Nahrungsmittelallergie: Kann sie beim Kind verhindert werden?

Zugegeben, der im Folgenden erwähnte Artikel ist für einen Nichtmediziner keine leichte Kost. Deswegen sollen die wesentlichen Ergebnisse hier zusammengefasst werden.

Abbildung 1. GRADE. Der Versuch die Evidenz vorliegender Daten in aktive Empfehlungen umzusetzen. Foto: JACI in Practice

Die Autoren Paul J. Turner, Dianne E. Campbell, Robert J. Boyle und Michael E. Levin aus London, Sydney und Kapstadt haben sich die Mühe gemacht, die neuesten Erkenntnisse über Nahrungsmittelallergien in klare Empfehlungen für Patienten zusammenzufassen. Dabei haben die Autoren von den drei Kontinenten das Grading of Recommendations Assessment, Development and Evaluation (GRADE) angewandt (schematisch in Abbildung 1 dargestellt)

Was ist günstig?

  • Einnahme von Fischöl in der Schwangerschaft. Dies senkt nachweislich das Risiko für die Entwicklung einer Allergie gegen Ei auf fast die Hälfte. Dies ist mit mässiger Sicherheit erweisen („moderate“).
  • Probiotika in der Ernährung des Säuglings können das Risiko für die Entwicklung einer Milcheiweißallergie senken. Die Belege hierfür werden als gering („low“) eingeschätzt.
  • Erste Einführung von Hühnerei in die Kost des Säuglings im 5. oder 6. Lebensmonat senkt das Risiko für eine Eiallergie fast auf die Hälfte („moderate“)
  • Erste Einführung von Erdnuss in die Kost des Säuglings im 5. – 12. Monat senkt das Risiko für eine Erdnussallergie fast auf ein Drittel („moderate“)

Wofür ist kein Nutzen gesichert?

  • Mütterliche Diät in der Schwangerschaft und Stillzeit
  • Probiotika für die Mutter in der Schwangerschaft und Stillzeit.
  • Vorbeugende Ernährung eines Säuglings mit hypoallergener Nahrung (partiell oder extensiv)
  • Prebiotika für den Säugling

Dies sind Empfehlungen aus den angloamerikanischen Ländern. Da unsere Ernährung in Bezug auf die Erdnuss eine andere ist, würde man in Deutschland eher nicht dazu neigen, bewusst die Erdnuss im Säuglingsalter anzubieten. Sollten in der Kost Spuren von Erdnuss enthalten sein, ist das andererseits aber auch nicht unbedingt ein Risiko.