Schlagwort: Reizhusten

Was geht rum? 24. November 2018

Der kalte und trübe Herbst ist bei uns im Südwesten angekommen. Die feinen Nebeltröpfchen werden geschmacklich spürbar ergänzt von dem, was die Nachbarn und man selbst in den Kamin stecken, um das Haus kuschelig warm zu halten. Alle gemeinsam atmen wir das wieder ein. Und unsere Kinder müssen häufiger husten. Umwelt geht uns offensichtlich alle an.

In dieser Zeit legen auch die Infekte wieder einen Gang zu. Neben den Infektionen mit Adenoviren (Reizhusten, Halsschmerz, Magen-Darm-Beschwerden) kommen jahreszeitlich typisch Atemwegserkrankungen mit obstruktiver Bronchitis hinzu. Der Krupphusten ist bislang noch auffällig selten.

An apple a day, keeps the doctor away“. Noch liegen geschmackvolle Äpfel und intakte Äpfel unter den Bäumen. Ob diese Weisheit wirklich hält was sie verspricht, wissen wir dann im Frühling.

Was geht in der Welt rum? Manchmal sind es keine Infektionen, die die Menschen bedrohen. In Indien, genauer in Neu-Dehli und seiner Umgebung (National Capital Territory of Delhi (NCT)) ist die Umweltbelastung zur Zeit extrem hoch. Das betrifft ganz besonders Kleinkinder, älter Menschen und Menschen mit chronischen Atemwegserkrankungen (COPD, Asthma bronchiale). Diese sollten die Region meiden.

Husten – so nervig und doch meist sinnvoll

Husten wird in den nächsten Monaten viele Kinder und Jugendliche treffen. Das ist normal in der kalten Jahreszeit. Und es ist für die Betroffenen ärgerlich. Aber ist Husten wirklich nur ein Ärgernis? Was soll eigentlich Husten bezwecken und wie soll ein Betroffener damit umgehen?

Beim Husten arbeiten alle Muskelgruppen des Brustkorbes zusammen und stoßen Luft aus der Lunge wie bei einer Vulkanexplosion. Dieser heftige Vorgang kann durch den eigenen Willen ausgelöst werden oder durch den Hustenreflex. Damit erreicht es der Körper in aller Regel, ungewollte Substanzen (vermehrter Schleim, Schmutzpartikel oder gar Fremdkörper) aus der Lunge zu entfernen. Husten kann also bei ganz unterschiedlichen Zuständen auftreten und ist immer nur ein Symptom. Und dieses Symptom macht meistens Sinn (z.B. bei der Bronchitis), kann aber gelegentlich auch sehr lästig sein ohne dem Körper echt weiterzuhelfen.

Welche Ursachen hat Husten bei Kindern?

Abbildung 1. Bronchialschleimhaut mit Zilien (Flimmerhärchen) und eingelagerten Schleimzellen (Becherzellen).

Der häufigste Auslöser ist der Racheninfekt (Nasopharyngitis). Hierbei besteht eine Entzündung des Nasen-Rachenraumes. Die Schleimhäute sind gereizt. Infolgedessen sind sie vermehrt durchblutet und dadurch gerötet. Dies führt in der Folge dazu, dass auch die Schleimzellen (Becherzellen; siehe Abbildung 1 rechts) vermehrt aktiv sind und das tun was sie können: sie produzieren Schleim. Der läuft entsprechend der Schwerkraft aus dem hinteren Nasenteil (den vorderen Anteil versenken die Menschen gerne im Taschentuch) über die Rachenhinterwand gen Kehlkopf – „…. der Husten löst sich“. Das hat aber nichts mit irgendwelchen Medikamenten zu tun sondern tritt bei Atemwegsinfektionen regelhaft ein. Nun möchte die Lunge – für die der Kehlkopf den Eingang darstellt – nur die Luft zum Gasaustausch aufnehmen und keine weiteren Körpersekrete. Also wird durch die Schleimstrasse an der Rachenhinterwand ein Husten ausgelöst, der den Schleim wieder nach oben schleudert. Meistens folgt dem Husten (zumindest bei Kindern) ein Schluckreflex. Hierdurch wird der  angesammelte Schleim in großen Teilen dann in den Magen transportiert. Dort ist er in der Auseinandersetzung mit der Magensäure chancenlos ist und wird in seine Einzelteile zerlegt.

Eine seltenere Ursache ist die Laryngitis, die öfter bei Jugendlichen als bei Kindern beobachtet wird. Hierbei ist die Rachenregion unterhalb der Zungenebene entzündet. Hierbei findet keine bedeutende Schleimproduktion statt. Der Husten ist und bleibt eher trocken. Dabei kommt es zu einem manchmal unangenehmen Reizhusten, ohne dass Schleim bewegt würde.

Im Kindesalter zeigt sich der Infektkrupp mit einem sehr eindrücklichen Husten. Die Entzündung liegt eine Stufe tiefer als bei der Laryngitis: Im Kehlkopfbereich bzw. im oberen Bereich der Luftröhre. Auch hier überwiegt ein sehr trockener Husten mit einem typisch bellenden Charakter. Dieser Husten ist sehr laut und erinnert an das Bellen eines Hundes. Meist ist er sehr schmerzhaft, so dass Kinder von sich aus sich so verhalten, dass sie möglichst wenig Husten müssen.

Unterhalb der Kehlkopfregion schließt sich die Luftröhre an. Entzündungen in diesem Bereich nennen wir Tracheitis. Sie sind tendenziell eher bei Jugendlichen zu beobachten. Dabei beginnt die Erkrankung meist mit einem sehr quälenden trockenen Husten, der zunehmend „feuchter“ wird aber subjektiv immer sehr unangenehm ist. Hierbei gibt es gelegentlich schwere Verläufe durch grössere Schleimbeläge, die schwer abhustbar sind.

Die Bronchitis ist etwas, was jeder schon erlebt hat. Das Bronchialsystem ist entzündet und nach einer kurzen Phase trockenen Hustens kommt es zu einer Verschleimung. Es besteht für eine kurze Zeit eine Überempfindlichkeit der Atemwege, bronchiale Hyperreagibilität.

Die Bronchitis, also die Entzündung der Bronchialschleimhaut, geht in einigen Fällen in das umgebende Gewebe über. Das nennt man dann eine Bronchopneumonie, im Deutschen übersetzt mit Lungenentzündung. Diese ist für Kinder- und Jugendliche eigentlich nicht gar so schlimm, sondern eher als eine schwere Bronchitis zu verstehen, die natürlich gut und konsequent behandelt werden muss.

Eine schlimme Erkrankung hingegen ist die Lobärpneumonie. Auch diese wird in der deutschen Sprache „Lungenentzündung“ genannt. Im Gegensatz zur Bronchopneumonie tritt die Lobärpneumonie aber in einen Teilbereich oder in einem ganzen Lungenlappen auf. Das ist eine sehr gefährliche und schwere Erkrankung. In aller Regel ist hier eine stationäre Behandlung und intensive Therapie über viele Wochen erforderlich, um Komplikationen zu vermeiden.

Das Asthma bronchiale ist eine chronische Entzündung der Bronchialschleimhaut mit verstärkter Produktion von besonders zähem Schleim, der schwer abhustbar ist. Beim Asthma steht die Enge der Atemwege im Vordergrund. Hierbei kann Luft recht gut in die Lunge eindringen. Das Abatmen ist jedoch erschwert, so dass bei den schwereren Verläufen Atemnot durch Überblähung der Lunge auftritt.

Es gibt noch viele weitere Ursachen für Husten. Dazu zählen Fremdkörper (z.B. Nüsse, die ins Bronchialsystem gelangen). Oder die Reizung der Bronchien durch giftige Gase wie etwa Zigarettenrauch. Eine Reizung der Bronchien kann auch mechanisch durch kleinste Teilchen (z.B. nach Arbeiten mit Glaswolle) auftreten und sehr unangenehm sein. Zunehmend häufiger wird auch ein funktioneller Husten (etwa als Verlegenheitshusten) festgestellt, bei dem der Betroffene gesunde Atemwege hat, aber aber auf andere oft seelische Belastungen mit Husten reagiert. Die Mukoviszidose ist eine Erkrankungen mit häufig schwerwiegender Entzündung der Bronchien.  …… Die Liste der Erkrankungen mit Husten ist sehr lang und schließt auch viele Erkrankungen mit ein, die – wie die Refluxkrankheit des Magens- ursprünglich nichts mit den Atemwegen zu tun haben.

Wichtigste Konsequenz: Husten ist nicht gleich Husten. Husten muss erst als Symptom einer bestimmten Krankheit verstanden werden, bevor eine Behandlung eingeleitet werden kann (sofern so etwas überhaupt sinnvoll ist). Und bis zum Beweiß des Gegenteils ist Husten erst einmal sinnvoll.

Also Hustensaft? Was ist das eigentlich?

Wenn man ehrlich ist, ist Hustensaft ein Beruhigungsmittel für die Eltern. Das klingt brutal. Eltern machen sich Sorgen, sie leiden mit ihrem hustenden Kind mit und wollen ihm helfen. Also bietet die Industrie Ihnen was sie suchen. Das Problem ist nur: Alle diese Säfte wie der bekannte Mucosolvan©-Saft, helfen eigentlich nicht (zumindest hat bis heute niemand bewiesen, dass Mucosolvan© bei den genannten Erkrankungen etwas entscheidend verändern würde). Und die anderen Säfte (wie Codipront©) senken – vermeintlich – zwar den Hustenreiz. Aber ist das sinnvoll? Wenn die Bronchien im Rahmen einer Entzündung vermehrt Schleim produzieren, dann muss dieser wegtransportiert werden. Das bedeutet also: Husten. Wenn man den Husten unterdrückt, bleibt Schleim liegen mit dem Risiko, dass sich die Entzündung bis hin zur Lungenentzündung weiter ausbreiten kann.

Was können Sie als Eltern also tun?

  • Sie können Ihr Kind immer trösten, ihm beistehen, ihm Mut machen. Das brauchen nicht nur Kinder und Jugendliche, wenn sie krank sind.
  • Brustwickel können den quälenden Husten lindern. Wenn Ihr Kind anderer Meinung ist, nehmen sie ihn wieder weg.
  • Mit guter Luft (kein Zigarettenrauch, oft Lüften des Zimmers) können Sie den Reiz für die Bronchien mindern.
  • Wenn Ihr Kind gerne trinkt wird darüber der Schleim flüssiger und leichter abhustbar. Trinken also anbieten, aber nicht aufdrängen.
  • Und wenn der Husten schlimmer wird: dann müssen Sie den Arzt aufsuchen. Der wird klären, wie der Husten zu verstehen ist. Dafür wird er die Lunge abhören, sich den Rachen ansehen und manchmal auch die Nasenschleimhaut

Es hat sich beim Infekthusten leider nichts entscheidendes verändert: Mit Medikamenten dauert er 1 Woche, ohne Medikamente 7 Tage!

Überempfindlichkeit der Atemwege

„Mensch, sei nicht so überempfindlich!“. Diesen Satz hört man gerne mal, wenn jemand auf eine kleine unbedachte Äußerung hin mit heftigen Worten reagiert. Wenn also Auslöser und Reaktion nicht zusammenpassen.

Ähnlich ist das bei der Überempfindlichkeit der Atemwege, medizinisch als bronchiale Hyperreagibilität (BHR) oder nasale Hyperreagibilität (NHR) bezeichnet, wenn die Schleimhäute der Nase betroffen sind. In diesem Fall sind die Schleimhäute zu empfindlich. Denn sie ertragen manche „normale“ Alltagsbelastung in der Luft nicht mehr, die ein Mensch in der Regel ohne Symptome überstehen würde.

Symptomatik

Das häufigste Symptome ist ein meist trockener Husten, ausgelöst durch einen alltäglichen Reiz. Auslöser können sein:

  • Kalte (und oft auch feuchte) Luft. Der Nebel im November ist ein typisches Beispiel, aber auch eiskalte Luft in den Wintermonaten.
  • Sehr trockene Luft wie in den Flugzeugen bei hoher Höhe.
  • Parfüm, Küchendämpfe und andere Gerüche in der Einatemluft.
  • Dabei ist das Allgemeinbefinden kaum beeinträchtigt.

Weitere Symptome können auch ein Räuspern oder ein Räuspertic in der Folge sein.

Ursachen

Verschiedene Auslöser kommen für die BHR infrage. Im Kindes- und Jugendlichenalter sind es häufig Atemwegsinfekte, die nach Abklingen aller Symptome für meist 4 bis 6 Wochen überempfindliche Bronchien zurücklassen. Keuchhusten hinterlässt sogar eine Monate andauernde BHR. Manchmal können Atemwegsinfekte (wie z.B. die von RS-Viren ausgelösten) auch ein potente Quelle für eine Überempfindlichkeit sein, die lange anhält und eventuell in ein Asthma bronchiale übergeht.

Für Kinder ist ein wesentlicher Auslöser die Rauchbelastung durch Zigaretten (SHS – second-hand-smoking) in der Wohnung. Raucher selbst haben eine schwere Form der BHR, die sich bei der morgendlichen Zigarette mit heftigem Abhusten zeigt. Interessant ist, dass selbst der (vielleicht schon lange verstorbene) rauchende Opa sich negativ auf die Atemwege seine Enkel auswirkt. Das heißt, durch genetische Veränderungen ist eine Überempfindlichkeit der Bronchien bei ihnen häufiger, selbst wenn die eigenen Eltern nie rauchten.

Abbildung 1. Bedeutung von Zigarettenrauch und Umweltgasen. Foto: Lung White Book, WHO, 2016

Zur BHR können auch schlecht gelüftete Räume, Parfümerien, Schreinereien und natürlich Lackierwerkstätten beitragen. Deren Bedeutung für Kinder und Jugendliche ist begrenzt. Aber, Autoabgase spielen eine grössere Rolle, da Kinder mit ihren Atemorganen näher an an Autoabgasen dran und diesen deutlicher ausgesetzt sind („Dieselgate“). Dennoch: Zigarettenrauch ist bedeutsamer.

Dazu kommen noch viele giftige Gase als Auslöser. Oder Stäube (auf Dachböden, Scheunen), Faserteilchen (Glaswolle, Mineralwolle) oder Pollenflug (unabhängig von der Allergie).

Verursachung

Alle die genannten Reize lösen auf die eine oder andere Art eine Entzündung der bronchialen Schleimhaut aus. Diese hat verschiedene Folgen. Zunächst können durch die nicht intakte, dünnere Schleimhaut die in den Bronchien liegenden Nervenfasern leichter gereizt werden, was Husten auslöst. Zum anderen führt die Entzündung über die Zeit zum Verlust einzelner Bronchialzellen, die durch sog. Becherzellen ersetzt werden. Letztere produzieren den vermehrten Schleim, tragen aber nicht mehr zur Abwehr und zum Abtransport des Schelims in den Atemwegen bei.

Therapie

Je nach Dauer und Auslöser kann eine Inhalationstherapie sinnvoll sein (z.B. mit einem inhalierbaren Cortison)

Vorbeugung

Abbildung 2: Dauer des Stoßlüftens in Abhängigkeit von der Außentemperatur. Foto: co2online, Berlin

Reine Luft ist eine sehr gut wirksame und einfache Vorbeugung. Keine Rauchbelästigung für das Kind: nicht im Haus, nicht im Auto, nicht bei Festen. Immer wieder an die frische Luft gehen, im Sommer wie im Winter. Die Wohnung sollte immer wieder gelüftet werden (Stoßlüften !).

Luftbefeuchter? Nein. Sie mögen die Luft im geringen Ausmaß befeuchten, werden aber bald zur „Schimmelpilzschleuder“ und somit zu einem gravierenden Gesundheitsproblem. Nebenbei sind sie teuer.

Und bei den vielen praktischen Fragen? Wenden Sie sich an Ihren Kinder- und Jugendarzt. Oder, wenn der sich unsicher ist, in Absprache mit dem Kinderarzt an eine Kinderpneumolog*in. Das sind die Spezialisten für Atemwegsprobleme bei Kindern und Jugendlichen.

Ein lang anhaltender „Reizhusten“ kann auch mal ein beginnendes Asthma sein und sollte in jedem Fall abgeklärt werden. Und für ein solches Asthma spielt im Kindesalter häufig auch Allergie eine große Rolle.