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MMR-Impfung – gegen Masern, Mumps und Röteln

Diese Impfung wird im Praxisalltag häufig kontrovers diskutiert. Solange, bis die ersten Kinder regional an Masern erkranken. Dann ist der Impfstoff plötzlich schnell gefragt. Das ist ein menschliches Phänomen, dem wir oft unterliegen. Wie im Autoverkehr, wenn Lastwagen an Kreuzungen häufig Fahrradfahrer oder Fußgänger überfahren, wie schon mehrfach in diesem Jahr in Berlin. Erst wenn etwas passiert ist, reagieren wir.

Besser ist natürlich, sich in Ruhe zu informieren, bevor unter einem äußeren Druck entschieden werden muss. Dazu einige Anmerkungen:

Masern sind doch nur eine Kinderkrankheit – ?

Masern werden manchmal im Internet eher harmlos dargestellt. Als Krankheit sind sie brutal. Zum Glück treten sie in Deutschland nur sporadisch auf, weil die Mehrheit der Bevölkerung geimpft ist. Im Jahre 2016 hatten immerhin 92.2% der Kinder bundesweit zwei  Masernimpfungen erhalten. Damit waren sie vollständig geimpft. Die geringste Quote wurde übrigens – wie schon früher – im Ländle registriert. In Baden-Württemberg lag sie mit 89.5% am niedrigsten.

Die Bezeichnung Kinderkrankheit kommt daher, dass in der Zeit vor den Impfungen weitgehend alle Kinder daran erkrankten, weil diese Erkrankungen eine enorme Ansteckungsfähigkeit (Kontagionsindex) haben. Das bedeutet, schon bei einem flüchtigen Kontakt erkranken fast 100% aller Menschen, die der Krankheit noch nie begegnet sind. Der Begriff sagt aber nichts über die Schwere der Erkrankung aus.

Abbildung 1. Impfquoten verschiedener Infektionserkrankungen im Vergleich über die Jahre 2006, 2011 und 2017 (Stand April 2018) Foto: RKI

Die Impfung ist gefährlich?

Eltern überzeugen sich vor jeder Impfung, dass der Nutzen der Impfung bedeutend höher liegt als die mit der Impfung verbundenen Risiken. Das machen sie aus Verantwortung für ihre Kinder, für die sie das beste wollen. Dennoch ist über Impfungen teilweise ein Streit entstanden, bei dem der Austauch von Argumenten mit den Fanatikern nicht mehr gelingt. So kam auch vor 20 Jahren der Verdacht auf, die Impfung würde Autismus hervorrufen. Der Brite Andrew Wakefield hatte dies in einer 1998 erschienen Arbeit behauptet. Nur, Veröffentlichung war in  wesentlichen Teilen manipuliert und später wurde deswegen später zurückgezogen. Die Gegenüberstellung von Risiken der Erkrankung Masern gegenüber der MMR-Impfung haben C. Meyer und S. Reiter vom Robert-Koch-Institut (RKI) in Berlin gut zusammengefasst (die Tabelle ist dieser Publikation entnommen)

Abbildung 2. Gegenüberstellung von Komplikationen der Masern (als Erkrankungen) und der MMR-Impfung. Foto. Bundesgesundheitsblatt, 2004

Warum soll zweimal geimpft werden?

Jede Impfung versucht dem Immunsystem vorzutäuschen, ein echter Krankheitserreger wäre in den Körper eingedrungen. Der Masern-Impfstamm ist den Masern sehr ähnlich. Die krankmachende Wirkung ist aber deutlich abgeschwächt. Dennoch kommt es vereinzelt zu unerwünschten Wirkungen (siehe Abbildung 2), die aber deutlich seltener und schwächer als bei der Krankheit Masern auftreten.

Ebenso lässt sich das Immunsystem durch diesen abgeschwächten Keim nicht zu 100% täuschen. Die Impfung ist also nicht zu 100% wirksam. Die Studien zeigen, dass erst durch die zweite Impfung ein Schutz von 93% – 99% erreicht werden kann. Die erfolgreich Geimpften sind nach bisheriger Studienlage vollständig geschützt. Und wenn genug Menschen vollständig geschützt sind (um die 95%), dann sind auch die übrigen – rein statistisch – geschützt. Sollte von denen einmal einer erkranken, wird sich die Krankheit nicht im Schneeballsystem ausbreiten.  Somit können indirekt auch Menschen geschützt werden, die einen Immundefekt haben und für die eine MMR-Impfung sogar gefährlich sein kann. Wer sich zweimal mit MMR impft, schützt also sich selbst und auch seine Umgebung. Das ist die soziale Komponente.

Wann erfolgen die Impfungen?

Ideal ist, nicht zu früh zu impfen. Nahezu alle Neugeborenen haben einen Schutz gegen die Masern, der sicher 6 Monate anhält. Danach schwindet er langsam. Ab dem 11. Monat kann davon ausgegangen werden, dass der übrig gebliebene Schutz des Babies den Impfstoff nicht mehr angreifen kann. Erst ab diesem Alter ist sicher, dass der Säugling einen eigenen Impfschutz mit dem MMR-Impfstoff aufbauen kann. Die Empfehlung für die Impfung laut RKI ist:

  • 1. MMR-Impfung im Alter von 11-14 Monaten 
  • 2. MMR-Impfung im 2. Lebensjahr im Alter von 15-23 Monaten durchführen zu lassen

Die vielen Masernausbrüche in der Welt bestätigen es immer wieder. Dort, wo Masern aus Armut nur unzureichend geimpft sind (Beispiel Madagaskar) erkranken innerhalb weniger Monate um die 100.000 Menschen, von denen etwa 1000 – ja, die Nullen sind richtig gesetzt – sterben. Dort, wo ein neuer Impfstoff zu früh eingesetzt wird und neue Nebenwirkungen die Menschen verunsichern und zur Ablehnung aller Impfungen führen (Beispiel Philippinen nach der Dengue-Impfung), passiert das gleiche. Bei uns in Europa führt der Wohlstand manchmal zur Überheblichkeit. Da jedoch (siehe oben oder in diesem herrlichen Video von der technischen Universität in Wien) die meisten Menschen geimpft sind, schützen diese die Verweigerer.

Tuberkulose bei Kindern in Deutschland: Hatte die Migration einen Einfluss?

Tuberkulose ist eine der bedeutsamsten Infektionskrankheiten. Weltweit erkranken daran 10 Millionen Menschen jedes Jahr. Von diesen versterben an dieser Erkrankung 1.8 Millionen. Damit ist die Tuberkulose die tödlichste Infektionskrankheit des Planeten. Die größte Verbreitung hat die Tuberkulose in Asien (besonders Indien und Indonesien), Afrika und Osteuropa.

Kinder unter 5 Jahren sind besonders empfänglich für eine Ansteckung mit Tuberkulose, da ihre Immunität noch nicht ausgereift ist. Dennoch sind Lungenentzündungen anderer Ursache (andere Bakterien wie Pneumokokken und Viren) weltweit gesehen für Kinder und Jugendliche die häufigste Todesursache.

Abbildung 1. Tuberkulose-Bakterium auf einem Makrophagen (weiße Blutzelle). Foto: aerzteblatt.de

Ausgelöst durch sog. säurefesten Stäbchen (Bakterien – siehe Abbildung 1) kann die Tuberkulose viele Organe betreffen. Ganz im Vordergrund steht die Lunge (82.5% bei den Kindern), gefolgt von den Lymphknoten. Damit steht auch das Symptom Husten an erster Stelle. Bedingt durch den langsam schleichenden Verlauf dauert es aber häufig recht lange bis die Erkrankung als solche entdeckt und dann behandelt wird. Langwierige stationäre Behandlungen für Kinder sind inzwischen in Deutschland eher selten.

Abbildung 2. Häufigkeit der Neuerkrankungen an Tuberkulose bei Kindern (graue Kurve unten) und Erwachsenen (hellblaue Kurve oben) in Deutschland für die Jahre 2002 bis 2017. Die dunkelblaue Kurve zeigt die Gesamthäufigkeit an. Foto: RKI

Für die industrialisierten Länder wie Deutschland, stellt sich die Situation in Bezug auf Tuberkulose komplett anders als in vielen Ländern der Erde dar. Bedingt durch eine gute Ernährung der Bevölkerung, gesunde Wohnverhältnisse und eine für alle Menschen gute medizinische Versorgung ist die Tuberkulose in Deutschland seit Jahrzehnten auf dem Rückmarsch. Die Tuberkulose kommt in den Städten häufiger vor (Hamburg 13.1 Neuerkrankungen auf 100.00 Einwohner) als im ländlichen Raum (Niedersachsen 4.4, Schleswig-Holstein 4.8). Auch die Migrationsbewegungen seit dem Jahr 2015 haben daran wenig geändert (siehe Abbildung 2). Die Häufigkeit bei Kindern ist gegenüber den Erwachsenen nochmals niedriger. Die neusten Daten des Robert-Koch-Instituts in Berlin (RKI) geben für das Jahr 2017 für Kinder und Jugendliche 238 Neuerkrankungen an. Damit liegt die Erkrankungsrate bei Kindern bei 2.2 Erkrankungen auf 100.000 Kinder. Das entspricht der Rate des Jahres 2004. Den niedrigsten Wert konnte das RKI für Kinder im Jahre 2008 ermitteln (1.1).

Die Tuberkulose ist eine meist schwerwiegende Erkrankung. Die Erkrankungshäufigkeit bei Kindern in Deutschland liegt auf sehr niedrigem Niveau. Daran haben die Migrationswellen der letzten Jahre nur wenig geändert.