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Was geht rum? 01. Juni 2019

Im Juni und Juli wird die Sonneneinstrahlung bei uns den Höhepunkt erreichen. Grund genug, öfter als sonst eine Sonnenbrille zu tragen. Dabei geht es darum, die Augen vor den unsichtbaren UV-A- und UV-B-Strahlen zu schützen. Einfach abgedunkelte Brillen bringen da kaum was. Sie können sogar schaden, weil der Schutzreflex der Pupille unterbleibt. Um auf Nummer sicher zu gehen, sollten Sonnenbrillen im Fachhandel gekauft werden. Nur dort ist sichergestellt, dass die Kennzeichnung EN 1836:1997 oder das CE-Zeichen und die Aufschrift ISO 12312-1 an der Innenseite des Bügels auch korrekt ist. Und damit besteht ein fast 100%-iger Schutz. Eine Reduktion des Anteils an Blaulichts (400-470 nm) auf unter 10% durch die Gläser wäre zusätzlich wünschenswert.

Im Alltag bleibt es wichtig, dass Kinder nicht zu lange der intensiven Sonnenstrahlung ausgesetzt sind. Das kann der Schatten am besten. Um die Mittagszeit (12:00 – 15:00 Uhr) bleiben Kinder wenn möglich im Haus bzw. im schattigen Garten. Außerhalb der Wohnung – auch im Schatten – ist eine Schildmütze eine weitere Hilfe.

In dieser sonnigen Jahreszeit spielen die Infektionen eher eine geringe Rolle. Das gilt leider nicht für das HantaVirus. Das löst oft medizinisch heikle Erkrankungen aus, kommt aber „relativ“ selten vor. Inzwischen sind die Neuerkrankungen in Baden-Württemberg auf über 40 in der vergangenen Woche angestiegen. Vorsicht ist geboten beim Ausmisten von Gartenhäuschen, Speichern und Kellern in den Regionen der Schwäbischen Alb.

Weiterhin treten MagenDarmInfektionen auf. Regional gibt es Parapertussis, eine dem Keuchhusten ähnliche Infektion. Sie wird ausgelöst durch Bakterien, die im Rahmen der Keuchhustenimpfung nicht erfasst werden. Ein kleiner Trost: der Parapertussis verläuft schwächer als der Keuchhusten, ist dabei aber noch sehr belastend. Ohrenschmerzen sind ebenfalls gehäuft und sollten im Einzelfall beim Kinder- und Jugendarzt abgeklärt werden.

Die Pollen finden in den kommenden Tagen ideale Voraussetzungen sich zu verbreiten. Das trifft für die Gräser– wie die Pollen des Spitzwegerich ganz besonders zu.

Was geht in der Welt rum? Eine bei uns zuletzt seltene Erkrankung zeigt einen Ausbruch in Japan: die Röteln. Dort sind in diesem Jahr bereits mehr als 1300 Menschen daran erkrankt. Im vergangenen Jahr waren es fast 3000 gewesen. Zum Vergleich: in Baden-Württemberg sind zuletzt 0 Fälle (Jahr 2017) gemeldet worden. Die Röteln sind für betroffene Kinder und Erwachsene wenig belästigend. Für Embryonen sind sie jedoch mit schwersten Folgen von weitreichenden Missbildungen bis hin zum Tod verbunden. Schwangere, die keinen effektiven Schutz aufweisen, müssen also ein erhebliches Risiko in Japan befürchten. Vor einer Reise sollten sie sich unbedingt beraten lassen.

Vitamin D ersetzt die Sonne nicht!

Die Rolle und Bedeutung des Vitamin D ist seit vielen Jahren eines der Top-Themen in der medizinischen Wissenschaft. Dabei kommt es aber in den Medien häufig zu Vereinfachungen. Engagierte Laien und Mediziner bringen manche Krankheiten mit zu niedrigen Vitamin-D-Blutspiegeln in Beziehung und schlagen dann vor: Nehmt Vitamin D. Aber ist das gerechtfertigt oder gar sinnvoll?

Vitamin D wurde lange Zeit nur als bedeutsames Hormon im Zusammenhang mit dem Knochenstoffwechsel gesehen. Inzwischen ist klar, dass seine Rolle ungleich umfangreicher ist. Diese umfasst auch Krebserkrankungen (relativ gute Daten zum Dickdarm-Krebs), Diabetes mellitus und die Schwangerschaft. Ganz besonders diskutiert wird aber der Zusammenhang von niedrigem Vitamin-D-Spiegeln mit Autoimmunerkrankungen und Infektionen. Die Studienlage ist jedoch so uneinheitlich, dass sich bislang in dieser Frage kein anerkannter Wissenschaftler für die generelle Einnahme von Vitamin D ausspricht.

Eine australische Studie hat sich kürzlich der Überlegung gewidmet, ob Vitamin-D-Gabe oder Sonnenlicht günstig sei, um Neurodermitis (atopisches Ekzem) im Säuglingsalter zu verhindern. Dazu wurden von den Wissenschaftlern um Kristina Rueter und Mitarbeitern aus Australien insgesamt 195 Kinder ab Geburt für 6 Monate untersucht. Dabei erhielt die Hälfte der Kinder 400 µg Vitamin D täglich (ähnlich wie bei uns in Deutschland), die andere Hälfte bekam ein Placebo. Darüber hinaus wurde bei einigen Kindern mit einem UV-Dosimeter die tägliche Dosis an UV-Licht der Sonne gemessen.

Im Ergebnis zeigte sich, dass bei Kindern mit Neurodermitis die UV-Dosis im Mittel von 555 J/m2 deutlich geringer war als bei Kindern, die während der Studie keine Neurodermitis entwickelt hatten (998 J/m2). Fast noch interessanter ist, dass die Vitamin-D-Spiegel erwartungsgemäß in der Placebo-Gruppe niedrig und in der anderen hoch waren. Dies hatte aber keinerlei Einfluss auf die Neurodermitis.

Abbildung 1. Was spricht für, was spricht gegen Sonnenlicht als therapeutischer Faktor. Foto: JACI, Yoshiaki Matsushima et al.

In ihrem Editorial kamen die Autoren um Yoshiaki Matsushima aus Japan zum Schluss: Vitamin D kann die Sonne nicht ersetzen. Dabei bleiben auch viele Fragen offen. Diese haben sie in einer Graphik (siehe Abbildung 1, in Englisch) dargestellt.

Die Vitamin-D-Geschichte geht also weiter. Und es bleibt dabei: Außer für Säuglinge bis zum 2. Geburtstag gibt es nur in Ausnahmefällen Gründe, zusätzliches Vitamin D einzunehmen.

Es gibt nun aber einen ersten wissenschaftlicher Hinweis, dass Spaziergänge mit dem Säugling günstig sein könnten bei der Vermeidung von Neurodermitis. Und vermutlich nicht nur das.

Vitamin D – Alles nur ein Hype?

Der Vitamin-D-Hype ist inzwischen am Abklingen. Eine gute Gelegenheit, den Stellenwert dieses Vitamins zu beleuchten. Versuchsweise ohne den Zeitgeist.

Vitamin D für Säuglinge

Unstrittig ist der Nutzen von Vitamin D für Säuglinge. Für Kinder von Geburt an bis zum Alter von 12 bis 18 Monaten ist eine ganzjährige Versorgung in unserer Klimazone auf natürliche Art nicht sichergestellt:

  • Zu schwache Sonnenstrahlung über lange Zeit des Jahres
  • Zu kleine Hautpartien sind der Sonnenstrahlung ausgesetzt

Das Risiko, durch einen zu geringen Vitamin-D-Gehalt im Blut Wachstumsstörungen an den Knochen (Rachitis) mit Wirbelsäulenverkrümmungen zu erleiden oder gar Verkrampfungen der Muskulatur (Tetanie – nicht zu verwechseln mit der Infektionskrankheit Tetanus) kann nur durch die regelmäßige orale Gabe von Vitamin D (medizinisch: 1,25 [OH] 2D3 –  Calcitriol) sichergestellt werden. Empfohlen ist eine Ergänzung der Nahrung um 400 bis 500 IE Vitamin D3 pro Tag. Diese kann als kleine Tablette oder auch in Tropfenform erfolgen.

Vitamin D ab dem zweiten Lebensjahr?

Für Kinder nach dem ersten Lebensjahr liegt die angestrebte Aufnahme von Vitamin D bei 600-800 IE am Tag. Wie kann sie erreicht werden? Dazu gibt eine gemeinsame Stellungnahme der Ernährungskommission der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) mit folgenden Empfehlungen (zu den Details der Stellungnahme).

  • Regelmäßiger Aufenthalt im Freien. Ein Aufenthalt von 5-30 Minuten in der Sonne in den Monaten April bis September (10 bis 15 Uhr) bei unbedecktem Kopf und freien Armen und Beinen ist ausreichend.
  • Regelmäßiger Verzehr von Vitamin-D-reichen Fischsorten (z.B. Hering, Lachs) ein- bis zweimal pro Woche. Das ist nebenbei oft auch für die Jodversorgung günstig.

Seit Jahren weisen Daten darauf hin, dass die zusätzliche Gabe von Vitamin D in mancher Hinsicht günstig sein könnte. So soll das Risiko von Infektionen durch die zusätzliche Gabe von Vitamin D gesenkt werden. Diese Effekte sind bis heute aber nicht zweifelsfrei belegt. Von einer ergänzenden Zufuhr von Vitamin D wird deswegen bei gesunden Kindern und Jugendlichen weiterhin abgeraten.

Gleiches gilt auch für die ungezielte Bestimmung von Vitamin D – Konzentrationen im Blut. Das spiegelt sich auch wider in den unterschiedlichen Normbereichen für diesen Laborwert. Gemäß manchen „Normwerten“ wären über 90% der Bevölkerung vom Vitamin D-Mangel betroffen. Auf dieser pseudowissenschaftlichen Linie bewegen sich viele Scharlatane: sie geben sich „wissenschaftlich“ mit den Vitamin-D-Werten und ziehen Schlüsse, die ihnen persönlich (Verkauf von Produkten im Zusammenhang von Vitamin-D) sicher helfen, dem Patienten mutmaßlich aber nicht.

Die Forschung hat die vielfältige Bedeutung des Vitamin D in den letzten Jahren besser verstehen gelernt. Wenn einzelne Studien positive oder negative Effekte beispielsweise hinsichtlich der Infektionshäufigkeit zeigen, so ist jedoch damit kein ausreichender Beweis für eine allgemeine Empfehlung erbracht. Vermutlich wird nach einer gewissen Zeit – ähnlich wie beim Hype mit Vitamin E – Ruhe einkehren und der Stellenwert des Vitamin D weniger aufgeregt diskutiert werden. Wir müssen also noch etwas warten.

Wiesengräserdermatitis

Der Riesen-Bärenklau (Heracleum mantegazzianum) ist eine beeindruckend große Pflanze mit riesigen Blättern von bis zu einem Meter Länge. Der Bärenklau ist keine Giftpflanze. Kinder kommen nicht auf die Idee ihn zu essen. Der Reiz dieser Pflanze liegt für Kinder darin, dass die Stängel beeindruckend groß und innen hohl sind. Beim Spiel in der Natur werden sie deswegen gerne abgerissen und von manchen auch als Blasrohr genutzt. Keine gute Idee!

Abbildung 2. Wiesenkerbel. Foto: ptw

In zarterer Variante und viel häufiger ist der Wiesenbärenklau (Heracleum sphondylium) – der Buchstabe W macht den kleinen Unterscheid. Der Wiesenbärenklau kommt typischerweise in vielen Wiesen Europas vor und ist im Gegensatz zum Riesen-Bärenklau eine einheimische Pflanze. Er kann leicht mit dem harmlosen und viel häufigeren Wiesenkerbel (Abbildung 1) verwechselt werden, der jedoch locker gefiederte Blätter hat.

Sowohl der Riesen-Bärenklau wieder der Wiesenbärenklau sondern einen Saft ab, wenn die Blätter oder Stängel verletzt werden. Dadurch kann er dann auf die Haut oder Schleimhaut der Lippen treffen. Unter Sonneneinstrahlung führt er dort bald zu blasigen Hautveränderungen (phototoxische Reaktionen), die wie Verbrühungen 2. Grades aussehen. Im Bereich der Lippen ist dies besonders unangenehm. Zu diesen Veränderungen kommt es also, wenn Pflanzensaft + Sonne zusammenwirken.

Symptome

Abbildung 2. Typisches Bild einer Photodermatose durch Wiesenbärenklau. Foto: ptw

An den Stellen, wo Pflanzensaft der Sonnenbestrahlung ausgesetzt war entwickeln sich bei wenig Sonne eine Rötung. Je nach Menge des Pflanzensaftes und der Strahlung treten deutlichere, teils auch große und pralle  Blasen auf der Haut auf (siehe Abbildung 2 rechts). Im Randbereich ist eine begleitende Entzündung. Der Befund ist teilweise mit sehr starken Schmerzen verbunden.

Therapie

Behandlung wie bei einer Verbrennung + Gabe eines Schmerzmittels. Eine ärztliche Behandlung ist anzuraten.

Tipp

Suchen Sie in der Umgebung Ihrer Wohnung nach solchen Pflanzen und warnen Sie Ihr Kind davor. Besonders unangenehm sind Blasenbildungen am Mund, wenn Kinder den Pflanzenstängel als Blasrohr benutzen sollten.

Sonne, liebe Sonne

Der April ist in jedem Jahr ein spannender Monat. Meteorologisch spüren wir den Wechsel vom Winter zum Sommerwetter. Die aufkommende Wärme bringt uns von der Nordsee immer wieder Regenwolken, aber sie ist auch so stark, dass sie die allgemein feuchte Luft schnell trocknen kann.

Nach dem langen Winter freuen sich alle Menschen auf die „ersten Sonnenstrahlen“, die die Haut wunderbar wärmen. Die Luft ist kühl und die Sonne ist sehr angenehm. Dabei wird von den meisten Menschen vergessen, dass die UV-Strahlung schon erheblich ist. Vermutlich kommt dieser Beitrag bereits zu spät und so mancher hat bereits seinen ersten Sonnenbrand. Wie denn das?

Die Stärke der UV-Strahlung wird mit dem UV-Index (UVI) gemessen. Dieser gibt mit einer Zahl an, wie stark die UV-Strahlung für einen bestimmten Ort ist. In der Nacht liegt der Wert bei 0, tags kann er je nach Region in der Welt auf gesundheitsschädliche Werte von über 11 bis 12 steigen. Leider gibt es für einzelne Regionen in Europa keine kontinuierlichen Messdaten. Der Blick auf die Daten von New York zeigt den Verlauf des UVI übers Jahr. New York liegt etwa auf

Abbildung 1. UV-Index für New York City. Die Kurven zeigen, dass das tägliche Maximum kurz nach Mittag auftritt. Je nach Jahreszeit liegt es tiefer (grüner Bereich) oder sehr hoch (tiefroter Bereich). Den grössten Anstieg zeigt der rote Balken zwischen dem 1. März und 1. April an. Foto: wikipedia

der Höhe von Barcelona bzw. Neapel. Die UV-Index-Werte können also nicht direkt auf Deutschland übertragen werden. Was die nebenstehende Abbildung 1 aber deutlich macht ist, dass der grösste Anstieg der UV-Strahlung auf der nördlichen Erdhalbkugel zwischen dem 1. März und 1. April stattfindet.

Abbildung 2. Prognose des UV-Index am 07. April 2018 in Zentraleuropa. Foto: weatheronline.co.uk

Auch wenn uns das kühle Lüftchen durchaus angenehm ist, sollten wir gerade im April wegen der UV-Strahlung aufpassen. Immerhin werden schon Werte von bis zu UVI 6 im Süden Deutschlands (siehe Abbildung 2 rechts) erreicht. Ab Mai ist die UV-Strahlung zwar stärker, unsere Haut hat sich aber schon etwas angepasst und wir vertragen „mehr Sonne“.

Gerade auch für empfindliche Menschen mit „Sonnenallergie“ (natürlich gibt es keine echte Allergie gegen Sonne) sollten ihre Haut langsam an die stärker werdende Sonne heranführen. Das spart der Haut (Krebsrisiko nach Sonnenbrand) und dem betroffenen Menschen (Ausschlag + nächtlicher Juckreiz + Schmerz) Stress.