Schlagwort: Studie

Schlank durch frühes Schlafen

„Gebt den Leuten mehr Schlaf – und sie werden wacher sein, wenn sie wach sind“. Auch Kurt Tucholsky wusste um die günstige Wirkung des Schlafs. Dass auch Schlaf und Körpergewicht irgendwie zusammen hängen, steht für viele gefühlt fest. Seit das Schlaflabor zur Standarduntersuchung wurde, sind eine Reihe von Zusammenhängen klar geworden, die dieses Gefühl untermauern. Für die Gruppe der Kinder gibt es jedoch leider wenig Literatur.

Interessant ist in diesem Zusammenhang die Study of Early Child Care and Youth Development (SECCYD), durchgeführt vom National Institute of Child Health and Human Development (NICHD), das Anfang der 1960er Jahre von der Schwester des amerikanischen Präsidenten John. F. Kennedy gegründet wurde, um Menschen mit Behinderung zu helfen.

Die SECCYD untersuchte ab 1991 den Einfluss der nicht-mütterlichen Versorgung auf die Entwicklung von 1364 Kinder und ihren Familien ab Geburt. Eine Forschergruppe um Sarah E. Anderson von der Ohio State University (Columbus) konnte inzwischen eine große Gruppe von ihnen (977 Probanden) nachuntersuchen. Für sie lagen Protokolle über Telefoninterviews vor, als diese Probanden durchschnittlich 4,7 Jahre alt waren. Zu dieser Zeit wurde das Schlafverhalten, Schlafrituale und viele weitere Umstände exakt festgehalten. Zusätzlich wurden in der Pubertät (etwa im Alter von 15 Jahren) die Körpermaße der inzwischen jugendlichen Probanden dokumentiert und diese mit dem Schlafverhalten 10 Jahre zuvor in Beziehung gesetzt.

Abbildung 1. Häufigkeit von Übergewicht („obesity“) in Prozent der Gruppe in Bezug auf die Zubett-Geh-Zeiten: links: vor 20:00 Uhr. Mitte: zwischen 20:00 und 21:00 Uhr, rechts: nach 21:00. Foto: Anderson et al, Pediatrics, 2016

In der Studie wurden die Zu-Bett-Geh-Zeiten mit der Häufigkeit von Adipositas (Übergewicht) in Beziehung gesetzt. Wie die nebenstehende Abbildung 1 zeigt bestanden hier große Unterschiede. In der Gruppe der Kleinkinder, die vor 20:00 Uhr zu Bett ging, lag die Häufigkeit für Übergewicht deutlich niedriger als bei den Kindern, die erst nach 21:00 Uhr zum schlafen gelegt wurden.

Diese Ergebnisse stammen aus einer gut durchgeführten Langzeitstudie. Umso mehr erstaunt, wie deutlich die Unterschiede in der Häufigkeit von Übergewicht in Bezug auf die Zu-Bett-Geh-Zeit waren. Die in der Abbildung dargestellten Unterschiede zwischen „sensiblen“ und „wenig sensiblen“ Müttern (helle bzw. dunkel-graue Säule) waren im Übrigen statistisch nicht sicher (nicht signifikant).

Was lernen wir daraus? Wenn Kleinkinder früher zu Bett gehen, scheint das ein wichtiger Faktor zu sein um künftigem Übergewicht vorzubeugen.

 

Madagaskar: Kinder sterben durch Tränengas

In Madagaskar sind gestern bei einem Polizeieinsatz zwei Kinder ums Leben gekommen. Im Zentrum der Hauptstadt Antananarivo hatte die Polizei mit überzogenen Mitteln eine friedliche Demonstration aufgelöst. In diesem Zusammenhang warfen sie Tränengasbomben, die auch das Kinderkrankenhaus in der Parallelstrasse von Madagaskars Prachtstrasse trafen.

Nach verschiedenen Presseberichten erstickten hierbei zwei Kinder an der hohen Konzentration des Reizgases. Zeugen berichteten, dass in der Umgebung der ohnehin durch Umweltgase belasteten Innenstadt die Sicht meist unter 20 Metern lag. Zwei erwachsene Personen wurden vermutlich durch Schüsse tödlich getroffen. Die Zahlen der Verletzten sind noch unsicher.

Hintergrund für die extremen Auseinandersetzungen ist der Versuch des aktuellen Präsidenten Hery Rajaonarimampianina seine politischen Gegner durch ein neues Wahlgesetz auszuschalten. Dagegen richtete sich der friedliche Protest der 73 Abgeordneten, die das Gesetz – erfolglos, aber mutig  – abgelehnt hatten. Der Präsident selbst hatte sich tags zuvor heimlich abgesetzt, vermutlich nach Paris, das er wegen der netten Einkaufsmeilen sehr schätzt.

Das Hôpital Mère Enfant Tsaralalana (HMET) im Zentrum von Antananarivo , Madagaskar. Foto. Sobikamada

Die betroffene Kinderklinik HMET pflegt seit Jahren eine enge Zusammenarbeit mit dem Pfullendorfer Verein credimus e.V., der dort vor vier Jahren mit dem Aufbau einer Abteilung für Lungenerkrankungen bei Kindern begonnen hatte. Bereits seit neun Jahren besteht darüber hinaus eine enge und erfolgreiche wissenschaftliche Zusammenarbeit (MAKI-Studie) zwischen der Klinik unter Leitung von Prof. Dr. Annick Robinson und einem deutschen Ärzteteam mit Dr. Peter Th. Wolff aus Pfullendorf.

Schwiegermutter und Kinderzahl? Ja, da gibt’s was.

Großeltern sind für viele Familien im Lebensalltag nicht wegzudenken. Sie betreuen die Kinder, wenn Eltern arbeiten und häufig auch, um sie zu entlasten. Damit ermöglichen sie eine andere Familienplanung, denn sie sind im Notfall für Eltern erreichbar.

Das steht im Gegensatz zum früheren Bild der bösen Schwiegermutter, die vor über 200 Jahren von den Gebrüdern Grimm beschrieben wurde. Aber dennoch werden sie heute noch so erlebt. Der geliebte Sohn ist ausgezogen und in ihrer Einsamkeit fangen sie an zu nerven, um Aufmerksamkeit zu bekommen: ungefragte Ratschläge für Haushalt und Kindererziehung, ständige Anrufe und Besuche. So kann die Beziehung zur Schwiegermutter ordentlich belastet werden.

Tabelle 1. Darstellung der Daten der einzelnen Länder. Foto: Originaltabelle aus Huber S et al., 2017

Forscher vom Departement für Anthropologie der Universität Wien haben sich nun wissenschaftlich mit dem Thema auseinandergesetzt. Susanne Huber, Patricia Zahourek und Martin Fieder werteten die Daten von nahezu 2,5 Millionen Frauen im Alter von 15 bis 34 Jahren aus 14 Ländern aus (siehe Tabelle 1 rechts). Dabei zeigte sich, dass nur knapp 13% aller Mütter in einem gemeinsamen Haushalt mit ihrer eigenen oder der Schwiegermutter lebten. Die Mehrheit lebte als Kernfamilie ohne die Elterngeneration. In den USA waren das 97,11% (Daten von 1980), im Irak waren es aber nur 45,67% aller Frauen, die alleine mit ihrem Ehemann und den Kindern lebten (Daten von 1997) .

Tabelle 2. Alter der Mutter (x-Achse) und Kinderzahl (log – Darstellung in y-Achse). Nur die Eltern leben im Haushalt (schwarze Kurve) , die Mutter der Mutter lebt im Haushalt (grüne Kurve), die Mutter der Vaters lebt im Haushalt (rote Kurve). Foto: aus Studie von Huber S et al., 2017

In allen durchgerechneten Modellen fanden die Forscher, dass in allen Ländern außer im Irak (wo die meisten Familien zusammen Mutter und/oder Schwiegermutter im Haus lebten) vergleichbare Verhältnisse vorlagen: Mehr Kinder hatten Familien, wenn Eltern ohne Mütter oder Schwiegermütter im Haushalt lebten (siehe Tabelle 2 rechts). Hingegen führte bessere Bildung (beider Partner) sowie Leben in der Stadt zu einer geringeren Kinderzahl.

Ergänzend muss hinzugefügt werden: Die Daten stammten aus verschiedenen Epochen – zwischen 1973 (Pakistan) und 2010 (Sambia). Europäische Länder waren nur gering vertreten. Nur Griechenland und Rumänien. Klar ist auch, dass kulturelle Einflüsse nur schwer statistisch fassbar sind.

Dennoch, der Effekt der Mütter/ Schwiegermütter auf die Zahl der Kinder einer Familie ist gut belegt. Wie man das deuten soll, bleibt einer breiten Diskussion vorbehalten.