Schlagwort: Telemedizin

Was geht rum? 10. November 2018

Kinder und Jugendliche werden den Arzt in den kommenden Wintermonaten häufiger brauchen. Im Bemühen, die Fragen einfacher zu lösen, wird das Internet gerne zu Rate gezogen. Aber Dr. Google wird oft überschätzt. Denn er ist wie ein Krake. Diese gilt als das intelligenteste Weichtier, aber von außen wissen wir wegen der vielen Arme nicht so recht, wo wir dran sind. Wenn Eltern vor dem eigenen Kind mit Fieber oder anderen Symptomen stehen, ist das „Bauchgefühl“ oft der beste Leitfaden. Und wenn dieses sagt, ich weiß nicht so recht, dann sollte ein Arzt aufgesucht werden. Fieber? Kann selbst bei über 40 Grad harmlos sein, aber: Fieberfreiheit schließt keine schlimme Krankheit aus. Wenn Sie als Eltern ein ungutes Gefühl haben, dann suchen Sie den Kinder- und Jugendarzt auf. Vielleicht bietet der als Möglichkeit auch Telemedizin an – umso besser. Das könnte gerade bei Infekten eine für beide Seiten sinnvolle Hilfe sein.

Die Infekte im Ländle haben sich kaum geändert. Weiterhin gibt es einzelne Entzündungen der Luftröhre (Tracheitis), aber deutlich weniger als sonst im November. Klimawandel? Vermutlich, denn bei den recht milden Temperaturen sind auch die anderen typischen Infekte dieser Jahreszeit eher selten.

Was geht in der Welt rum? In Vietnam bleibt vermutlich die hohe Zahl der Todesfälle an Tollwut konstant. Bislang sind 67 Menschen daran verstorben, in den letzten drei Jahren waren es 78 (2015), 91 (2016) und 74 Todesfälle im letzten Jahr. Rechtzeitig vor einer Reise nach Vietnam – am besten zwei bis drei Monate zuvor – sollte die Frage einer Impfung gegen Tollwut mit einem Arzt für Reisemedizin besprochen werden.

Bericht vom Kongress der Kinder- und Jugendärzte in Leipzig

Foto: DGKJ 2018

Ende letzter Woche fand der Kongress für Kinder- und Jugendmedizin in Leipzig statt. Den Kongress haben vier Fachgesellschaften gemeinsam gestaltet. Federführend war die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ), die in Leipzig ihre 114. Jahrestagung durchführte. Das ist Tradition. Tradition ist auch, dass auch der Berufsverband der Kinderkrankenpflege wie schon seit 4 Jahrzehnten Partner der Veranstaltung war. Gut für alle Eltern zu wissen, dass Kinderärzte mit Kinderkrankenschwestern eng zusammenarbeiten.

Foto: DGKJ 2018

Standen früher Beiträge zu spezifischen Erkrankungen im Vordergrund, standen diesmal eher sozialpolitische Themen im Vordergrund. „Kein Kind wird zurückgelassen„. Obwohl in Deutschland alle Patienten Zugang zur Spitzenmedizin haben, wird diese von vielen aus verschiedenen Gründen nicht wahrgenommen. Der Kongress zeigte in mehreren Beiträgen praktische Wege auf, auch Kindern aus benachteiligten Milieus Angebote für eine gute Gesundheitsversorgung zu ermöglichen.

Foto: DGKJ 2018

Auf den Gängen wurden viele weitere aktuellen Themen diskutiert, darunter auch die Telemedizin. Die meisten Ärzte sehen darin eine große Chance, auch wenn in vielen Bereichen der persönliche Arzt-Patienten-Kontakt unerlässlich bleibt. Der Einzug der Digitalisierung in die Medizin hat längst begonnen, und alle Beteiligten des Gesundheitssystems sind aufgefordert, diesen kritisch zu begleiten und gestalten. Nur so kann sichergestellt werden, dass am Schluss nicht Algorithmen – deren Entstehung und Kontrolle oft im Dunkeln bleibt – über unsere Gesundheit entscheiden.

Foto: DGKJ 2018

Im praxisblättle werden wir in den kommenden Wochen einzelne relevante Themen aufgreifen, die beim Kongress in Leipzig diskutiert wurden.