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Hitzewelle – was können Eltern für ihre Kinder tun?

Die Meteorologen sagen für heute extrem heiße Temperaturen für den Südwesten voraus. Möglicherweise wird es neue Hitzerekorde geben, vermutlich in der Region Mannheim. Dost wurden um 11 Uhr schon 31.4° Celsius gemessen. Aber was bedeutet das ganz praktisch für unsere Kinder?

Schutz vor Hitze

Das wichtigste heute ist der Schutz vor Hitze. Wenn die Umgebungstemperatur sich der Körpertemperatur von 37° Celsius nähert, fällt es dem Körper zunehmend schwer, nicht zu überhitzen.

  • In der Zeit von 10 Uhr bis 15 Uhr sollten Kinder sich vorwiegend im Schatten aufhalten.
  • Leichte Kleidung. Am besten locker sitzend und eher hell.Wer sich vor Insekten fürchtet, trägt am besten weiß. 
  • Aktive Kinder, die auch bei Hitze gerne rumtoben, werden auch eine Dusche mit dem Gartenschlauch genießen. Das macht Spaß und senkt die Körpertemperatur.
  • Aktiver Sport ist nur in den frühen Morgenstunden oder spät abends (nach 19 Uhr)  sinnvoll. Ansonsten stellt er eine erhebliche zusätzliche Belastung für den Körper dar.
  • Parallel zur Sonneneinstrahlung nimmt die Konzentration an Ozon wieder zu. Ozon ist ein Reizgas, das besonders bei Sport die Bronchien massiv reizen und bei hierfür empfindlichen Kindern und Jugendlichen Asthma bronchiale auslösen kann. Nebenbei führt es auch zu Reizungen der Bindehäute.
  • Ein Planschbecken im Garten aufstellen oder gleich ins Schwimmbad gehen. Auch dort ist der Sonnenschutz wichtig. Auch im Wasser. Die UV-Strahlung erreicht locker den ganzen Körper, auch wenn Kinder schwimmen!

ausreichend Flüssigkeit

Um der Überhitzung entgegenzuwirken können (und müssen) wir Menschen schwitzen. Diese Fähigkeit ist bei Kindern spürbar weniger ausgeprägt und bei Säuglingen ganz besonders gering. Wir dürfen also nicht von unseren eigenen Empfindungen ausgehen, sondern müssen uns auf die Säuglinge und Kleinkinder einstellen.

  • Immer wieder Flüssigkeiten anbieten.Kühle Flüssigkeit senkt nebenbei die Körpertemperatur. Und ein feines Speiseeis besteht auch zu fast 100% aus Wasser. 
  • Für Säuglinge: Die Muttermilch passt sich den Umweltbedingungen ohne unser Zutun an. Flaschenmilch sollte etwas dünner (Wasseranteil um 10% steigern) angemacht werden

Sonnenschutz

Im Moment haben wir die stärkste Sonneneinstrahlung des Jahres.Kinder und Jugendliche müssen gut geschützt werden, da sie der Sonne besonders lange ausgesetzt sind.

  • Schatten ist weiterhin der beste Schutz. Dies ist besonders wichtig zwischen 10 Uhr und 15 Uhr. Säuglinge sollten in dieser Zeit eher im Haus bleiben oder an einer besonders gut geschützten Ecke in der Natur.
  • Im Freien sollten Kinder immer eine Schildmütze tragen. Damit wird auch die Überhitzung des Gehirns („Hitzestich“) weitgehend vermieden.
  • Die Nachmittage und Abende sind lang. Wenn nach 15 Uhr draußen gespielt wird, ist eine Sonnencreme im Moment sinnvoll. Der Lichtschutzfaktor 30 genügt. Die Sonnencreme muss eher dick aufgetragen werden.
  • Auch im Wasser den Sonnenschutz sicherstellen. Die UV-Strahlung erreicht in 1 Meter Tiefe noch über 80% ihrer Stärke. Sinnvoll ist also ein T-Shirt oder ein anderes Bekleidungsstück, um den Oberkörper mit Schultern zu schützen.

Gefahr beim Grillen

Bei sommerlichem Wetter wird gerne gegrillt. Damit bestehen Risiken für Verbrennungen, wenn Kinder unbedacht in die Nähe des Grills kommen oder der Wind Funken in die Umgebung trägt. Am brennenden Grill sollte immer ein Erwachsener stehen, um schnell reagieren zu können.

Was noch wichtig ist

Es gibt noch viele andere Dinge, die an solchen Tagen günstig sind.

  • ganz effektiv: früh morgens und am späten Abend das Haus durchlüften. Danach die Rollläden an den sonnenbeschienenen Seiten schließen, um die erreichte Frische möglichst lange zu halten
  • Zum Mittagessen leichte kühle Kost. Ein gekühlter Pudding mit Erdbeeren kommt bei den meisten Kindern an. Man braucht nicht täglich eine warme Mahlzeit.
  • Kinder lieben süße Speisen. Und Wespen auch. 
  • Zecken lieben die Wärme auch. Abends sollte der Körper auf die Plagegeister untersucht werden.

Durchfall – schon wieder!

Durchfallserkrankungen erleben Eltern bei ihren Kindern oft. Mal leichter Durchfall ohne weitere
Probleme, mal aber auch heftige Durchfälle mit Erbrechen. Und in diesem Fall droht immer auch ein bedeutsamer Flüssigkeitsverlust. Im Säuglingsalter lässt sich im Fall mehrfachen Erbrechens eine stationäre Behandlung nicht oft nicht verhindern.

Wie kann man Klein-Kindern helfen, wenn sie erbrechen?

  • Zunächst mal die Situation beruhigen: Das Kind trösten, ihm hilfreich zur Seite stehen und nicht die Frage stellen, die das Kind ohnehin plagt („Musst Du brechen?“) – sondern mit viel Ruhe und Geduld Mut machen.
  • Dann kann so nebenbei anfangen ein Getränk zu anzubieten. Langsam, schluckweise unter Zuspruch (und ohne die oben genannte Frage zu stellen!) und wenn möglich ohne den großen Eimer mit Erbrochenem im Angesicht. Das ideale Getränk ist die Elektrolytlösung (z.B. Oralpaedon©), in der sich Wasser – Zucker – Salze (Elektrolyte) in idealer Konzentration zusammenfinden. Das Problem ist oft: manche Kinder lehnen den Geschmack ab. Dann zunächst versuchen zu motivieren, selber probieren („schmeckt doch nicht so schlimm“ – was ja auch stimmt) und nochmals anbieten. Und wenn das nicht geht: Apfelsaft-Schorle: Apfelsaft (1 Teil) vermischt mit Wasser (2-3 Teile). Auch hier wieder: zunächst kleine Schlucke. Die Trinkmenge muss langsam gesteigert werden.
  • Vomacur©/ Vomex©- Dimenhydrinat? Der Einsatz ist nur bei heftigem Erbrechen sinnvoll, wenn Kinder aus dem Erbrechen trotz langsamer Trinkversuche nicht herausfinden. Als Saft? Wer Vomex©-Saft trinken kann, dem geht’s zu gut für dieses Medikament. Dann lieber Apfelschorle trinken. Insofern ist diese Medikation grundsätzlich als Zäpfchen vorrätig zu halten. Und: Für Kinder und Kleinkinder maximal 1 Zäpfchen pro Tag. Die Wirkung von diesem Medikament wird maßlos überschätzt. Da es zur Müdigkeit führt, sollte eher darauf verzichtet werden – siehe dazu auch das praxisblättle in drei Tagen

Sollte sich danach das Trinkverhalten nicht bessern oder das Erbrechen noch anhalten, muss ein Arzt oder ggf. das Krankenhaus aufgesucht werden. Dort wird dann weiter untersucht und ggf. auf eine Infusionsbehandlung umgestellt.

Dieses Vorgehen ist doch nicht neu? Nein, wir haben das im praxisblättle seit 25 Jahren immer wieder mal beschrieben. Nur, jetzt ist auch der Nutzen der Apfelsaftschorle wissenschaftlich untermauert. Stephen B. Freedman und Kollegen aus Toronto (Canada) konnten im JAMA (Journal of the American Medical Association) belegen, dass es besser ist Kindern Apfelschorle („diluted apple juice“) anzubieten, als sie zu nötigen, Elektrolytlösungen zu trinken. Die untersuchten Kinder waren um die 2 1/2 Jahre alt und brauchten eine Infusionstherapie nach Apfelschorle nur in 2.5%, während die Vergleichsgruppe mit Elektrolytlösung in 9% stationäre zur Infusion eingewiesen werden mussten.

Wie sagt man im Volksmund: „Besser den Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach.“

Schwer was los

Schweigen bringt nichts. Auch wenn übergewichtige Menschen das manchmal bevorzugen. Jeder kann sehen was los ist und es ist hinlänglich bekannt: Übergewicht kann schwerwiegende Folgen haben. Sehr oft.

Was ist Adipositas?

Es gibt inzwischen eine recht umfangreiche Literatur zum Thema, warum einige Menschen leichter an Gewicht zunehmen als andere. Und dennoch: wer wenig Kalorien zuführt kann nicht dick werden. Ungerecht ist halt nur, dass manche Menschen sehr wohl bei Schokolade und Schweinshaxe zulangen können und trotzdem nicht zunehmen.

Übergewicht wird angenommen, wenn das Körpergewicht in Bezug auf die Körperlänge erhöht ist. Das wird hinreichend genau anhand des Body-Mass-Index (BMI) bestimmt. Ein BMI von 25 bis 29.9 wird bei Erwachsenen als Übergewicht bezeichnet, ein BMI von 30 oder mehr als Adipositas. Der BMI für Kinder weicht von den Normalwerten der Erwachsenen ab und kann über spezielle Rechner wie hier leicht bestimmt werden.

Sind die Drüsen schuld?

Abbildung 1. Schema über die genetischen Zusammenhänge bei der Entstehung von Sättigungsgefühl und Hunger. Foto: www.epgonline.org

Schuldige sind immer gut. Die Drüsen? Ja, wer oder was ist denn das? Unser Essverhalten sowie die Regulation von Hunger und Sättigung werden durch sehr viele Faktoren beeinflusst, die in den letzten Jahren zunehmend erforscht wurden. Dabei zeigt sich, dass die Genetik eine wichtige Rolle spielt (übersichtlich dargestellt in der Abbildung 1). Aber auch der Darm selbst greift regulierend ein. Über verschiedene Mechanismen (mechanische Fühler erfassen die Dehnung des Magens; Hormone des Magen-Darm-Traktes greifen steuernd ein) gibt er Signale zur Beeinflussung von Sättigung und Hunger. Die Darmflora selbst hat auch einen wichtigen Einfluss. Diese Flora ist ein Spiegel unserer Lebensgewohnheiten und verändert sich je nach unserem Essverhalten (z.B. hoher Fleischkonsum versus mediterrane Kost), unseren Lebensbedingungen (körperliche Aktivität; Stillen in der Säuglingszeit) und Krankheitsfaktoren. Das Hormon Leptin ist bei der Steuerung des Fettgewebes wichtig. Beim Anstieg gibt es dem Körper die Information, das Essen einzustellen. Das gelingt jedoch unterschiedlich gut. Bei Menschen mit Adipositas wird in vielen Fällen eine Leptin-Resistenz vermutet. Das würde bedeuten, dass hohe Leptinwerte nicht zum Sättigungsgefühl führen. Somit wären in diesem Fall irgendwie doch die Drüsen schuld.

Also doch die Drüsen, oder was?

Abbildung 2. Schema der Essenskontrolle des menschlichen Körpers. Foto: NaturesSunshine

Im Körper laufen – wie kurz dargestellt – sehr viele Prozesse ab, die die Essensaufnahme regeln. Dabei sollten wir aber nicht vergessen, wo wir als Menschen heute stehen und wo wir gestern herkamen.

Wenn uns heute nach einem Steak ist, gehen – nein fahren –  wir im besseren Fall zum Metzger oder meistens direkt zum Supermarkt. Dort kaufen wir Fleisch. Ein Akt von wenigen Minuten. Unsere Vorfahren mussten sich anstrengen. Als wir noch Jäger und Sammler waren, mussten unsere Vorfahren lospirschen und versuchen ein Tier zu erlegen. Das verlangte Geschick, Kraft, Schnelligkeit, Ausdauer und viel Glück. Und konnte auch das eigene Leben kosten, wenn Bären als Mitkonkurrenten auftraten. Das war keine Zeit für dicke Bäuche.

Was können wir also tun?

An Ratschlägen fehlt es wahrlich nicht. Diese reichen von gewissen Diäten bis hin zu allgemeinen Lebensveränderungen und strengsten Programmen, die den kompletten Alltag bestimmen. Man kann es auch knapper zusammenfassen. Günstig sind:

  • viel Bewegung
  • viel Gemüse / wenig Fleisch bzw. tierisches Fett
  • ein eher regelmäßiges Leben

Was schützt Kinder vor der Adipositas?

Der wichtigste Schutz scheint mir hier zu sein, nur wenig Einfluss zu nehmen. In aller Regel versuchen viele Eltern noch heute, Kinder in den ersten Lebensjahren mit Nahrung zu überhäufen. „Meiner isst richtig gut, da kann ich nicht klagen“ ist eine der Äußerungen die andeutet, dass das Risiko für Adipositas sehr hoch sein wird. Eltern haben von ihren eigenen Eltern gelernt, dass es gut sei viel zu essen. Vor einem Jahrhundert war das tatsächlich so, denn Essen war nicht immer in ausreichenden Mengen verfügbar. Und es war teuer. Das hat sich aber schlagartig verändert und so sollten Eltern nicht darauf achten ob ihr Kind gut isst, sondern sich dann an eine/n Kinderärztin/arzt wenden, wenn sie das Gefühl haben, dass das Essverhalten auffällig ist.

Wenn ein Säugling Hunger hat, schreit er und verlangt nach Nahrung. Dann stillt ihn seine Mutter oder man gibt ihm Flaschennahrung. Und wenn er/sie dann satt ist, beendet man die Fütterung. Es ist wichtig, dieses Sättigungsgefühl des Babys zu akzeptieren und nicht zu versuchen, den letzten Rest von 20 g in der Flasche dem Kind noch aufzudrängen. Nur so bleibt das Gefühl für Hunger und Sättigung ungestört.

Das gilt ebenso in den folgenden Jahren. Kinder spielen im Garten, sind mit ihren Freunden sehr beschäftigt und „haben keine Zeit zum Essen“. Auch dann sollten sie nicht gezwungen werden. „Du musst doch was essen“ …..  Warum eigentlich? Das Hungergefühl kommt. Mal schneller mal weniger schnell. Und wenn das gemeinsame Essen am Tisch ein schönes Ritual ist und das Essen ausreichend schmackhaft, müssen Eltern ohnehin keine Drohungen einsetzen. Denn diese greifen wiederum in den natürlichen Regelkreis Hunger/ Sättigung ein. Ein Kind spürt selbst, wenn es Nahrung braucht.

Und Süßigkeiten? Sind ein Luxus, den die Natur so nicht geschaffen hat außer mit Früchten. Sie sollten also immer nur das „Sahnehäubchen“ sein, also der Abschluss einer Mahlzeit. Und immer was besonderes bleiben. Dann werden sie auch nicht zu einem gesundheitlichen Problem.

Aber Trinken ist total wichtig. Wirklich? Wer behauptet das? Kinder haben hier ebenso ein natürliches Bedürfnis, wie beim Essen. Manche trinken mehr, andere weniger. Eine dritte Gruppe trinkt mal viel, mal wenig. Klar sollte sein, das Standardgetränk ist Wasser. Ob aus der Leitung (bestes Lebensmittel überhaupt außer oft in Bezug auf Nitrit) oder aus einer Glas/ PET-flasche. Das süße Getränk dient der Lust und sollte die Ausnahme bleiben.

Bleibt leider noch die Werbung, die Kinder ganz gezielt anspricht. Als Eltern kommt man nicht an den Burger-Ketten vorbei.

Was mögen Kinder besonders gerne wenn sie nicht eingeschränkt werden? Bewegung. Zunächst sausen sie herum. Nein, sagen Sie nicht „mach mal langsam“. Und seien Sie glücklich, wenn die Hosen dreckig und die Fingernägel schwarz sind. Haben die Kinder – wie auch immer – ihr Tablet in der Hand, ist die Umgebung ruhig, die Fingernägel sind sauber und sie „essen wunderbar“. Wenn Kinder aus dem Garten in die Wohnung gerufen werden müssen ist alles gut. Ruhig am Computer sitzen müssen sie ein ganzes Leben lang. Wenn Ihre Tochter/ Ihr Sohn in einem Hochhaus in Frankfurt am Schreibtisch mit 2 Bildschirmen in 20 Jahren arbeitet, sollte es Träume haben können, wie schön es war im Dreck zu spielen. Dann besteht die Hoffnung, dass das ehemalige Kind zu Trekkingtouren aufbricht und sich nicht der weiteren Zunahme des Gewichts widmet.

Bei allem nie vergessen. Eltern sind ein Vorbild. Schon vor der Geburt des Kindes. Das Kind hört mit, fühlt mit, raucht mit, trinkt mit ………

Und wenn Sie nicht mehr weiterwissen? Fragen Sie Ihren Kinderarzt/ Kinderärztin.