Schlagwort: Urlaubsapotheke

Was geht rum? 21. Juli 2018

In der kommenden Woche starten die Sommerferien. Manche Familien verlassen in dieser Woche den Südwesten und reisen mit ihren Kindern in Länder wie Dänemark, Italien oder gar nach Thailand. An diesem Wochenende ist Zeit, nochmals wichtige Absicherungen zu prüfen: Ist die Urlaubsapotheke zusammengestellt? Sind alle Dauermedikamente in ausreichender Menge vorhanden, so dass auch ein verzögerter Rückflug nicht zum medizinischen Problem wird? Brauche ich eine ärztliche Bescheinigung um beispielsweise einen Adrenalin-Autoinjektor (z.B. bei Allergie gegen Erdnüsse) mit an Bord des Flugzeugs nehmen zu dürfen?  Sind die Impfungen komplett – besonders bei Reisen außerhalb Europas?  Habe ich eine Auslands-Krankenversicherung für alle Notfälle? Mit diesem Netz an Absicherungen lässt sich der Urlaub entspannt genießen.

Im Südwesten haben sich die Infekte kaum verändert. Die Erkrankungen mit Herpangina und einzelne Durchfallserkrankungen sind die häufigsten. Daneben treten fallen Bindehautreizungen auf. Und noch immer sind die Zecken sehr aktiv. Es bleibt weiterhin wichtig, Kinder am Abend auf diese Krankheitsüberträger von FSME und Borreliose zu untersuchen. Laut den Gesundheitsbehörden in Baden-Württemberg sind im ersten Halbjahr 2018 bereits 128 nachgewiesene Infektion an FSME aufgetreten. Das ist ein Drittel mehr als im Vorjahr. Spitzenreiter war der Kreis Ravensburg mit 14 Neuerkrankungen.

Problematisch ist das hämolytisch-urämische-Syndrom (HUS), das in den vergangenen Wochen vier Kinder im Alter von 1 bis 8 Jahren in Baden-Württemberg getroffen hat. Das HUS ist eine sehr schwerwiegende Erkrankung, die zu Veränderungen im Blut (akute Blutarmut und Absinken der Blutplättchen) sowie der Nieren führt. Je nach Ausmaß kann diese Erkrankung zum Nierenversagen führen und auch tödlich verlaufen. Als Ursache vermutet das Landesgesundheitsamt die Übertragung problematischer Erreger (EHEC) durch Wiederkäuer. Deswegen rät es Eltern, nach Tierkontakt zu Rindern, Schafen und Ziegen die Hände gründlich zu desinfizieren.

Was geht in der Welt rum? Für alle Globetrotter ergeben sich nach Daten der WHO neue Aspekte in Bezug auf die Impfung gegen Tollwut. Es empfiehlt sich gerade für junge Menschen, die sich gerne fernab der Touristenpfade – off the beaten track – in Afrika oder Asien bewegen, sich aktuell zu informieren. Masern bleiben in diesem Jahr ein Problem. Sowohl in Deutschland (siehe praxisblättle vom 02. Juni 2018), als auch in Frankreich (Seit November 2017 über 2600 Erkrankungen mit bislang 3 Todesfällen) und der Tschechischen Republik mit 150 Fällen.

TIPP Urlaubsapotheke

Bald gehen viele Familien in den Urlaub. Was soll dann ins Gepäck um gegen medizinische Notfälle gewappnet zu sein?

Dauermedikamente

Das Wichtigste ist natürlich, Dauermedikamente (z.B. Medikamente gegen die Epilepsie oder bei Asthma) nicht zu vergessen. Der Vorrat sollte mindestens eine Woche länger reichen als der geplante Urlaub lang ist. Damit können auch unerwartete Probleme beim Warten auf den Rückflug (Flugstornierung – denken Sie an Air Berlin im letzten Jahr) vermieden werden. Diese Dauer-Medikamente werden im Handgepäck mitgeführt. Das Fluggepäck durchaus um Wochen verspätet oder auch überhaupt nicht ankommen! Also Medikamente immer „am Mann“ – oder der Frau.

Notfallmedikamente

  • Arzneimittel gegen Erbrechen wie Vomacur©. Diese sollte immer als Zäpfchen mitgeführt werden, da bei Erbrechen ein Saft oder Tabletten nicht erfolgreich eingenommen werden können. Das gilt sowohl für Kinder und Jugendliche. Aber auch für Erwachsene. Die Anwendung von Vomacur© sollte im Kindesalter nur ein einziges Mal pro Tag erfolgen. Erbricht das Kind dann weiter, ist es sinnvoll einen Arzt aufzusuchen.
  • Magen-Darm-Erkrankung. Hier ist es wichtig Elektrolyte (also Körpersalze wie Natrium und Kalium) dem Körper zuzuführen, wenn das schlimmste Erbrechen beendet ist. Das geht gut mit Oralpaedon© – einem Pulver, das mit Wasser zu einer idealen Trinklösung gemischt wird.
  • Schmerz- und Fiebermittel wie Paracetamol (z.B. ben-u-ron©) oder Ibuprofen (z.B. Ibuflam©, Nurofen© oder Dolormin©).
  • Für gefährdete Kinder sind antiallergische Medikamente vielleicht wichtig. Dies gilt für schwere Allergien (Tierhaare, Insektengifte) wie auch für Pollenallergien. Hier ist es sinnvoll vor Reiseantritt das Risiko mit dem behandelnden Kinderarzt auszuloten.
  • Sonnenschutzmittel. Der wichtigste Sonnenschutz bleibt der Schatten, die Mütze und ein T-Shirt. Ansonsten sind je nach Reiseland Sonnenschutzmittel mit etwa SF 30 bei Kindern sinnvoll. Diese müssen mehrfach am Tag großzügig aufgetragen werden. Also genügende Mengen einpacken!
  • Je nach Reiseland sind sog. Repellentien wichtig. z.B. um Zecken abzuhalten (Osteuropa) oder Mücken (Südeuropa) oder gar tropische Erkrankungen.
  • Desinfektionsmittel wie Octenisept© sollten immer mitgeführt werden sowie Verbandsmaterial.

Allgemeine Hinweise

  • Fieberthermometer sind gerade bei kleinen Kindern sinnvoll.
  • Medizinische Dokumente (z.B. Impfpass, Allergie- oder Diabetikerausweis)

Im Einzelfall ist es sinnvoll den Kinder- und Jugendarzt einige Wochen vor Antritt des Urlaubs zu kontaktieren, um individuelle (bei speziellen Krankheiten) oder spezifische (bei speziellen Reiseländern) Fragen vor der Reise in Ruhe zu klären. Dabei sollte auch Zeit sein, um fehlende Impfungen nachzuholen.

Für einige Medikamente müssen ggf. Bescheinigungen ausgestellt werden für die Mitnahme im Handgepäck (z.B. Flüssigkeiten über 100 ml)  bzw. die Einreise im Zielland.