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Grill und heißer Kaffee: Verbrennungen im Kindesalter

Daran denken ist alles. Mit etwas Wissen und einigen Überlegungen kann man Kinder vor Verbrühungen und Verbrennungen ziemlich gut schützen. Die erste Überlegung: die schlimmen und schmerzhaften Verbrennungen betreffen vornehmlich Kinder im Entdeckungsalter. Entdecker müssen Risiken eingehen. Und wir Eltern sollten das nie vergessen.

Feuer ist auch im digitalen Zeitalter für Kinder faszinierend. Das sollten alle Grill-Chefs wissen, wenn sie in den kommenden Tagen aktiv werden. Und: Vom Feuer gehen Temperaturen von über 1000 Grad Celsius aus.

Weniger heiß ist das siedende Öl in einer Friteuse. Mit seinen etwa 200 Grad legt es sich aber auf die Haut und kann deutlich länger einwirken. Denn hier ist mit dem Wegziehen des betroffenen Körperteils nur ein Teil des Problems erledigt. Das heiße Fett auf der Haut wirkt nach.

Ähnlich geht es mit kochendem Wasser. Das hat zwar „nur“ etwa 100 Grad Celsius an Temperatur, aber es kommt an vielen Stellen im Haushalt vor und kann in alle Ritzen fließen.

Sofortmaßnahmen?

Diese sind ähnlich wie bei anderen Notfällen auch. Wenn es sich um eine große oder sehr schwere Verbrühung/ Verbrennung (z.B. Gesicht, Hände, Genitale) bei Kindern handelt, sollte immer ein Krankenwagen meist mit Notarzt (besonders bei Säuglingen) gerufen werden. Ruhe bewahren:

  1. Löschen (einer Brandstelle bzw. Ausschalten des Unfallverursachers)
  2. Kühlen 
  3. Notruf – 112 (Rettungsdienst, Notarzt)

Maßnahmen zu Kühlung

Hier ist zu unterscheiden, ob es sich um eine Verbrennung oder Verbrühung handelt

Verbrühung

  • sofortige Kühlung der verbrühten Hautbezirke mit handwarmem (nicht eiskaltem!) Wasser für 10 – 15 Minuten.
  • Während der Kühlung Entfernung der Kleidung (ggf. Schuhe), sofern sich die Stoffe gut entfernen lassen. Ansonsten mit handwarmem Wasser weiter kühlen.
  • offene Wunden dann mit einem sauberen, feuchten Tuch bedecken bis der Notarzt eintrifft.
  • Säuglinge: bei großflächigen Verbrühungen (> 15%) nicht kühlen! Und den Notarzt rufen!

Verbrennung

  • Verbrennungsquelle ausschalten (z.B. Grill).
  • brennenden Patienten mit Decken auf dem Boden wälzen, bis die Flammen erstickt sind.

Was kann eine Familie vorbeugend machen?

Allgemeine Maßnahmen

  • Feuerlöscher für die eigene Wohnung anschaffen.
  • frühe Aufklärung der Kinder über Risiken.
  • Diskrete Kontrolle, ob Kinder die Gefahr im Alltag erkennen: Herd, Schwedenofen, Bügeleisen.

Spezielle Maßnahmen

  • keine Tischdecken – ein Kind könnte daran ziehen, und sich dabei mit Heißgetränken gefährden.
  • heißer Tee oder Kaffee nur in geschlossenen (!) Thermoskannen (dadurch bleibt er nebenbei auch heiß).
  • keine herunterhängenden Kabel bei Wasserkochern (in der Küche Steckdosen auf Arbeitshöhe benutzen bzw. anbringen lassen).
  • Bügeleisen nie unbeaufsichtigt auf Bügelbrett stehen lassen: massive Verbrennungsgefahr Ä(glatte Fläche ist einladend) und Verletzungsgefahr (großes Gewicht von oben). Herunterhängendes Kabel! 
  • Der Herd ist mit einem Gitter gesichert
  • Gekocht wird – wenn möglich – nur an den hinteren Flammen/ Herdplatten. Dabei sind die Pfannengriffe zur Seite gerichtet.
  • Heißes Fett wird durch Abdecken auf einer nicht heißen Herdplatte langsam abgekühlt – nie unter Wasser: massive Verbrühungsgefahr für Eltern und Kinder.
  • Kind darf sich nur in Begleitung Erwachsener am Gartengrill aufhalten.
  • Streichhölzer und Feuerzeug sollten für Kinder nicht erreichbar sein.
  • Was in der Mikrowelle aufgewärmt ist hat oft eine unregelmäßige Verteilung der Temperatur. Alles – vom Milchfläschle bis zum aufgewärmten Brei – muss so lange umgerührt werden, bis keine überhitzten Bezirke mehr im Essen sind.

Kinder sollten so früh wie möglich über Gefahren im Haushalt aufgeklärt werden. Das beginnt beim Feuer. Streichhölzer oder Feuerzeug sollten unerreichbar sein. Wie wir aber von den Affen wissen, so kommen auch Kinder auf pfiffige Ideen, die Schwellen zu überwinden. Wichtiger bleibt also immer das Vorbild der Eltern, besonders bei so beeindruckenden Feuerspektakeln wie an Sylvester oder am Grill. Erwachsene müssen sich dessen bewusst sein, dass ihr eigener Alkoholpegel bei Festen gerne zu besonders großzügigem Verhalten führt, was von Kindern falsch gedeutet werden kann.

Thermische Solaranlagen führen in Sommermonaten gerne dazu, dass innerhalb weniger Stunden das Warmwasser des Hauses plötzlich deutlich heißer ist als sonst. Dabei sind Temperaturen über 90° Celsius möglich. Aus diesem Grund sollten Mischbatterien nach Gebrauch immer in die Kalt-Position zurückgedreht werden.

Nichtrauchen ist angesagt

Rauchen ist ungesund. Nichts neues. Die Deutsche Krebsgesellschaft in Berlin hat errechnet, dass im Jahre 2013 etwa 121.000 Menschen an den Folgen des Rauchens verstarben. Dabei sind neben dem gefürchteten Lungenkrebs auch weitere Folgen des Rauchens (Darmkrebs, Leberkrebs, Tuberkulose, Diabetes Typ-2) berücksichtigt. Insgesamt sind 13.5% aller Todesfälle auf das Rauchen zurückzuführen.

Abbildung 1. Rauchen und Nie-Rauchen unter 12-17 Jugendlichen in Deutschland. Foto: BILD

In den letzten Jahrzehnten sind enorme Erfolge erzielt worden, die Zahl der Raucher zu verringern. Mit großem Erfolg in der Europäischen Gemeinschaft und in Deutschland. Heute ist Rauchen bei Jugendlichen fast uncool. Das zeigt die nebenstehende Abbildung 1, die auf Daten der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) beruht.

Die BZgA startete ihr Programm Be Smart – Don’t Start im Jahre 1997. Ab 2002 folgten bundesweit Erhöhungen der Tabaksteuer, Rauchverbote im öffentlichen Raum folgten im Jahre 2012. Inzwischen liegt die Rate der Nieraucher in der Altersgruppe der 12-17-Jährigen bei 80%, die der Rauchen hat bereits 2014 die 10-Prozentmarke nach unten geknackt. Ein gigantischer Erfolg.

Abbildung 2. Rauchen bei den Erwachsenen nach einer Untersuchung der BZgA von 2015 Foto; Deutsche Krebsgesellschaft

In Süddeutschland wird weniger geraucht als in Norddeutschland. Insgesamt ist aber – wie die Abbildung 2 zeigt – die Quote der Raucher unter Erwachsenen noch sehr hoch. Es bleibt zu hoffen, dass die Jugendlichen auch für die Erwachsenen „ansteckend“ sind. Wenn diese schon mit Stöpseln im Ohr die Jugendlichen imitieren, dann sollten sie das auch beim Rauchen machen.

Eltern sollten sich ihrer Vorbildrolle bewusst sein. Auch wenn Kinder und Jugendliche nicht alles machen was Eltern wollen, sie ahmen langfristig die Eltern mehr nach als diese glauben. Gerade in der Pubertät sind Eltern oft verzweifelt. Dabei ist eines klar: wenn Eltern Nichtraucher sind, werden es ihre Kinder mit größter Wahrscheinlichkeit auch. Und sie vermeiden damit, zu den 13.5% aller Todesfälle zu gehören, die aufs Rauchen zurückgeführt werden können. So erfolgreich kann Erziehung sein.

Körperliche Aktivität von Kindern

Ernährung und Bewegung bleiben wichtige Themen, mit denen sich Eltern auseinandersetzen müssen. Nur bei wenigen Kindern stehen Nahrungszufuhr und körperliche Aktivität immer in einem guten Gleichgewicht. Das Angebot an Essen ist enorm und das zu günstigen Preisen. Und die Verführung wird von der Industrie hoch gehalten, in dem immer neue Produkte zum Verzehr einladen. Diese sind oft recht fett (Fett vermittelt besseren Geschmack) oder süß. Und meist beides zusammen.

Auf der anderen Seite werden Kinder und Jugendliche an Bildschirmen aller Art gehalten. Ob das nun Filme zur guten Unterhaltung sind, Chat-Räume um sich mit Freunden auszutauschen oder Spiele, die Geschicklichkeit verlangen – allesamt binden sie an ein Gerät und halten die jungen Menschen von der Lust an Bewegung ab. Hinzu kommt, dass viele Eltern den Kindern keinen Schulweg mehr „zumuten“ wollen. Zumindest nicht wenn es regnet, wenn es schneit oder heiß ist. Also fast immer.

Soviel Mathematik muss schon sein: Kalorienreiches Essen + weniger Bewegung = mehr Gewicht.

In Deutschland hat die KIGGS-Studie (Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland) wichtige Daten zu diesem Themenbereich beigetragen.

Abbildung 1. KIGGS-Studie. Kinder und Jugendliche, die täglich mindestens 60 Minuten körperlich aktiv sind (Prozentanteile an der gleichaltrigen Bevölkerung). Daten von 2014-2015 . Foto: Robert-Koch-Institut, Studie KIGGS Welle 2

Besonders auffällig ist, wie wenig sich Kinder bewegen. Selbst bei Vorschulkindern ist gerade mal jeder zweite Junge mindestens 60 Minuten am Tag körperlich aktiv. Bei den Mädchen sind es 10% weniger. Wie die nebenstehende Abbildung 1 zeigt geht die körperliche Aktivität mit zunehmendem Alter weiter zurück – und dies besonders bei den Mädchen. Als Jugendliche bewegen sich weniger als 10% der Mädchen noch regelmäßig.

Es dürfte schwierig sein, einen Jugendlichen mit Argumenten zu körperlicher Aktivität anzuregen. Die Chance gibt es ganz früh. Eltern sollten ab Geburt körperliche Aktivität vorleben. Das kann zunächst der Sonntagsspaziergang mit den Großeltern sein (peinlich?) oder ein Waldspaziergang mit dem Kinderwagen. Später gehen die Eltern mit dem Kind zu Fuß in den Kindergarten und zeigen, dass der Regen einen besonderen Reiz hat. Auf diese Art übernehmen die Kinder irgendwann dieses Vorbild. Mag sein erst 20 Jahre später. Aber immerhin.

TIPP Mundhygiene

Die Mundhygiene wird selbst bei den Vorsorgeuntersuchungen nur mit wenigen Worten gewürdigt. Dabei ist sie eminent wichtig. Was nun im Einzelnen „richtig“ ist zur Zahnpflege, darüber streiten sich Experten schon seit Jahren. Seien Sie also nicht verwirrt, wenn Sie unterschiedliche und teil widersprüchliche Hinweise für den Gebrauch von Zahnpasta oder die Dauer des Zähneputzens finden. Keine Zweifel bestehen jedoch, dass Zähneputzen zur Mundhygiene unverzichtbar ist.

Zahnpflege

Die Qualität des Zähneputzen zeigt sich nicht in der Anwendungsdauer oder in der Produktion von Schaum, wie man das auf Campingplätzen oft beobachtet. Ein zu häufiges und aggressives Zähneputzen kann sogar das Auftreten von Zahnschäden hervorrufen. Deshalb empfehlen die amerikanischen Zahnärzte lediglich die zweimalige tägliche Zahnpflege mit einer weichen bis mittelharten Zahnbürste. Diese sollte mit einem Druck von 150 Gramm – was dem Gewicht einer Orange entspricht erfolgen. Den Anpressdruck kann man zuhause auf der Küchenwaage testen. Ein bestehender Zahnbelag wird jedenfalls nach mehr als 2 Minuten Putzen und einem Druck von mehr als 150 Gram nicht geringer. Dafür treten jedoch Schäden am Zahnschmelz und an den freiliegenden Zahnhälsen auf.

Süßes?

Wir wollen uns das Leben gelegentlich versüßen. Warum auch nicht? Gönnen wir dies auch unseren Kindern. Auch Kinder dürfen Schokolade und Kuchen essen sowie süße Getränke trinken. Wichtig ist nur, dass der Mund und die Zähne ausreichende Ruhepausen haben. Kinder sollen also – je nach Alter – durchaus über mehrmals 2 Stunden am Tag nichts in den Mund nehmen. Dann hat die Mundhöhle Zeit sich mit Speichel zu reinigen. Ganz besonders ungünstig ist das ständige Nuckeln an irgendetwas – ob Lutscher, Flasche mit Saft oder Brezeln. Wenn Kinder einmal Weinen oder vor Schmerz schreien ist Trost wichtig. Kinder brauchen Trost – den Trost ihrer Eltern und nicht den Trost irgendeines Getränkes.

Mein Kind will die Zähne nicht putzen?

Warum sollte ein Kind Zähne putzen wollen? Woher soll es um die Bedeutung von Karies wissen? Wie soll ein Kind im Alter von 1 Jahr verstehen, dass der Zahnausfall nach Karies seine Schönheit als Jugendlichen stört? Und dass dies zu Frust des Jugendlichen und Erwachsenen führt? Nehmen wir also die Führungsrolle als Erwachsene an. Wir wissen, was mangelnde Mundhygiene bedeutet. Und deswegen opfern wir täglich einige Minuten hierfür. Machen wir also unseren Kindern mit Liebe und Beharrlichkeit klar, dass Zähne einfach geputzt werden müssen.

Aber ich gebe doch die Fluortabletten!

Die Fluortabletten sind kein Ersatz fürs Zähneputzen. Es gibt einige Arbeitsgruppen, die eine Fluoridierung für die gesamte Kleinkinderzeit empfehlen, andere sehen dies eher kritisch. Alle sind sich jedoch darin einig: die alleinige Gabe von Flourid als Tablette reicht nicht aus. Also auch mit Tablette müssen die Zähne geputzt werden.Dann sollte jedoch überlegt werden eine Zahnpasta mit niedrigem Fluoridgehalt zu verwenden.

Wie immer wenn es um Kinder geht, sind Eltern als Vorbild für Ihr Kind entscheidend. Erlebt ein Kind die Eltern beim Zähneputzen, so übernimmt es dieses Verhalten in absehbarer Zeit auch für sich selbst. Lassen Sie Ihr Kind in diesem Bereich an Ihrem Alltag teilnehmen. Ihr Kind darf also wie selbstverständlich – schon als Säugling – Ihnen beim Zähneputzen zusehen. Das prägt und lässt die Zahnpflege zu etwas ganz Normalem werden, über das man später kaum diskutieren muss.