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Antibiotikaverbrauch – mehr ärztliche Kompetenz ist gefragt

Antibiotika sind ein Segen. Eigentlich. Wie bekannt, können antibiotische Medikamente auf die eine oder andere Art die Vermehrung von Bakterien stoppen. Damit helfen sie einem betroffenen Kranken, seine Krankheit leichter oder überhaupt besiegen zu können.

Die entscheidende Frage ist also, handelt es sich beim Auslöser der Erkrankung die behandelt werden soll um Bakterien oder eben doch nicht. Leider gibt es hierfür in vielen Fällen keine klaren Hinweise. Manche Diagnosen wie der Scharlach – mit seinem typischen Ausschlag – sind ein klarer Beweis für eine Erkrankung durch Bakterien. Beim Scharlach ist nur nicht so ganz klar, ob Antibiotika immer sinnvoll und notwendig sind. Andere Erkrankungen wie die Influenza (Grippe) gehen mit sehr hohem Fieber über viele Tage. Menschen sind schwer krank und dennoch: die Ursache sind Viren, keine Bakterien. Es kann aber vorkommen, dass sich auf der Grundlage der Virusinfektion – in diesem Fall einer Influenza – eine Lungenentzündung durch Bakterien aufbaut. Genau an diesem Punkt wird es schwierig. Weder Laborwerte wie das oft beschworene CRP (C-reaktives Protein) , noch ein Röntgenbild und schon gar nicht die Höhe des Fiebers helfen hier in der Beurteilung weiter. Oft ist es so, dass die Gesamtheit vieler Faktoren die Wahrscheinlichkeit für oder gegen Bakterien als Ursache erhöht oder senkt.

Schon medizinische Überlegungen machen den gezielten Einsatz von Antibiotika nicht ganz leicht. Der Umgang mit diesen potenten Arzneimitteln unterliegt noch vielen Einflüssen. Einer ist auch, dass bei schweren Erkrankungen Patienten dieses Medikament oft einfordern und der Arzt dem Druck wider besseres Wissen nachgibt. Auch bei hohem Fieber im Rahmen einer Virusinfektion helfen Antibiotika nicht.

Abbildung 1. DDD für Antibiotika in verschiedenen Ländern. (A -oberer Bildteil) zeigt die Veränderungen im Verbrauch über die Jahre 2000 – 2015 (B unterer Bildteil) zeigt die DDD nach Ländern. Foto: http://www.pnas.org/content/early/2018/03/20/1717295115

Letztlich erstaunt es also nicht, dass der Verbrauch von Antibiotika auch in unterschiedlichen Ländern großen Schwankungen unterliegt. Da hat sich in den vergangenen 15 Jahren viel getan. Die umfangreiche Studie von Eili Y Klein und Mitarbeitern ging diesen Fragen nach. Sie untersuchten den Verbrauch anhand der sog DDD: defined daily dose. Das ist die durchschnittliche Dosis eines Medikaments, die für einen Patienten pro Tag benötigt wird. In der Abbildung 1 rechts ist im unteren Teil B die DDD für 1000 Patienten in verschiedenen Ländern aufgeführt. Die Farbe markiert den Wohlstand der Länder. Dabei zeigt sich, dass der Wohlstand nur bedingt mit dem Verbrauch an Antibiotika zu tun hat. Lediglich in den sehr armen Ländern werden aus Armut sehr wenig Antibiotika eingesetzt. Den höchsten Verbrauch an Antibiotika haben die Türkei, Spanien, Griechenland und Frankreich (DDD über 35). Deutschland liegt mit etwa 20 im Mittelfeld. Am besten liegt seit Jahrzehnten schon die Niederlande mit dem gleich hohen Verbrauch wie das Entwicklungsland Bangladesh. Dieser dürfte in den Niederlanden der medizinischen Einsicht, im Bangladesh eher der Armut geschuldet sein.

Antibiotika können lebensrettend sein. Oder komplett überflüssig. Und manchmal auch schädlich. Was für den Patienten in seiner persönlichen Situation günstig ist, muss also immer mit gutem medizinischem Wissen und kritischer Beurteilung abgewogen werden.