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Kinderkrankheit Windpocken – es juckt so schrecklich

Was früher den Alltag von Eltern schmerzlich mühsam machte, ist fast aus dem Blick geraten:
Kinderkrankheiten. Als solche bezeichnet man Krankheiten, die einmal im Leben durchgemacht werden und dann nicht mehr auftauchen. Und da die Menschen früher sehr eng zusammenlebten, steckten sie sich schnell an. Diese Infektionskrankheiten traten somit sehr früh – also im Kinderalter – auf.

Das stimmt heute so nicht mehr. Wir leben heute meist nicht mehr eng aufeinander. Dadurch hat sich das Infektionsrisiko vermindert. Zum anderen gibt es Impfungen, die viele Kinderkrankheiten in Deutschland zu seltenen Ereignissen gemacht haben. Aber: da wir deutlich länger leben, können die angeblichen Kinderkrankheiten im Alter erneut auftauchen. Der Schutz reicht häufig eben nicht für 95 Jahre.

Die Windpocken sind ein gutes Beispiel für eine hoch ansteckende Viruserkrankung. Der Erreger ist das Varizella-Zoster-Virus (VZV), das auch für die Gürtelrose verantwortlich ist. Vor der Impf-Ära erkrankten in Deutschland etwa 750.000 Menschen pro Jahr mit diesem Virus. Die Zahl ging bis zum Jahr 2015 auf 23.130 Fälle (gemeldete Erkrankungen beim Robert-
Koch-Institut) deutlich zurück. Seit 2009 werden zwei Impfungen empfohlen. Damit konnte die Rate der Erkrankungen nochmals deutlich gesenkt werden. Die Windpocken sind in aller Regel sehr lästig, aber in der Nachschau eher harmlos.

Dennoch können Komplikationen (siehe weiter unten) und Todesfälle (in 2015: 3) auftreten.
Die Windpocken haben das Wort „Wind“ in ihrem Namen, weil sich die Erreger nicht nur per Tröpfcheninfektion (also aus der Nähe) übertragen, sondern teilweise mit dem „Wind“ über weitere Strecken. Auf diese Art sind Ansteckungen in grösseren Räumen (z.B. Einkaufsmärkten, U-Bahnen und Bussen) möglich.

Nach einer Inkubationszeit von meist 14 Tagen (frühstens nach 10 Tagen, spätestens nach 21 Tagen) tritt zunächst ein leichter Schnupfen und etwas Fieber (um 38-39 Grad) auf. Kurz danach beginnt der Ausschlag im Kopfbereich (auch im Bereich der Haare!) und wandert von dort nach
unten (siehe Bild rechts mit dem typischen „Sternhimmelmuster“). Wenn die ersten Bläschen an den Beinen ankommen, sind die Flecken im Gesicht bereits verschorft und damit nahezu frei
von Ansteckung. Diese beginnt bereits 1-2 Tage vor Ausbruch des Ausschlages und hält an bis das letzte Bläschen abgetrocknet und verschorft ist. Das dauert meist eine Woche (bis zu 10 Tagen).

Windpocken können in einzelnen Fällen auch zu Komplikationen führen. Bei Kindern sind das vorwiegend Mittelohrentzündungen und sehr selten auch Lungenentzündungen. Auch eine Entzündung des Gehirns (Encephalitis) ist möglich, aber selten. In der Regel wird das Krankheitsbild durch den massiven Juckreiz geprägt. Gebessert wird dieser durch die lokale
Therapie mit adstringierenden Mitteln (z.B. Tannosynth© Lotio), die auf pflanzlicher Basis zum schnelleren Abtrocknen der Bläschen beitragen. Daneben werden zur Nacht auch innerliche Medikamente (Cetirizin; Fenistil©-Tropfen) angewandt, um den Juckreiz weiter zu senken.

Wegen der hohen Ansteckung ist es wichtig, andere Menschen nicht in Gefahr zu bringen, die eine Immunschwäche haben. Für diese kann die Windpockenerkrankung lebensgefährlich sein. Aus Fairness sollten also folgende Regeln für die Zeit der Ansteckung gelten:

  • Kein Kontakt zu Schwangeren. Das betrifft ganz besonders Schwangere, die kurz vor der Geburt stehen und keinen Schutz gegen Windpocken aufweisen. Das Risiko für das Neugeborene an der Infektion zu sterben ist enorm.
  • Immungeschwächte wie Menschen unter Chemotherapie oder mit schweren Immundefekten
  • Alle Krankenhauspatienten. An Windpocken Erkrankte sollten niemals ein Krankenhaus aufsuchen, sofern dies nicht aus medizinischen Gründen notwendig ist und das Krankenhaus über die Erkrankung informiert ist. 
  • Alle Orte, an denen sich Risikopersonen (wie Immungeschwächte) aufhalten könnten (z.B. öffentliche Verkehrsmittel, Versammlungen)

Gesunde Kinder nach dem ersten Lebensjahr müssen nicht geschützt zu werden. Für sie ist es günstig, früh einen Schutz zu bekommen. Entweder durch die Impfung (zweimalig) oder – wenn diese nicht gewünscht ist – durch den direkten Kontakt. Im letzteren Falle macht es durchaus Sinn, sich die Ansteckung gezielt bei einem betroffenen Patienten abzuholen. Je
jünger die Kinder erkranken (nach dem ersten Geburtstag) umso besser. Ab der Pubertät sind Windpocken sehr unangenehm und auch gefährlicher.

Die Impfung gegen Windpocken wird von den Kinder- und Jugendärzten in der Regel angeboten. Empfohlen ist sie mit Beginn des 12. Lebensmonates (unter spezifischen Bedingungen bereits ab dem 9. Monat). Die erste Impfung hinterlässt einen Schutz von
etwa 65%, nach der zweiten liegt er dann über 90%.

Was geht rum? 29. September 2018

Die Atemwege stehen im Zentrum der Infekte der letzten Woche. Neben Rachenentzündungen (Pharyngitis) sind es wie bereits in der letzten Woche Entzündungen der Kehlkopfregion (Laryngitis), die den grössten Teil der Infektionserkrankungen ausmachen. Daneben treten auch Magen-Darm-Infektionen auf.

In Baden-Württemberg sind in den letzten Wochen laut Melderegister die Kinderkrankheiten unregelmäßig verteilt. So scheint Keuchhusten in der Region Rhein-Neckar und den angrenzenden Landkreisen gerade ein Problem darzustellen. Windpocken kommen in fast allen Landkreisen vor, besonders aber im Schwarzwald-Baar-Kreis. In dieser Beziehung paradiesische Zustände herrschen in der Bodenseeregion. Im Bodenseekreis und dem Kreis Biberach zusammen 3 Keuchhustenfälle, im Kreis Ravensburg 4 Windpockenerkrankungen. Im Kreis Sigmaringen gar kein Meldung einer Kinderkrankheit.

Haben viele Schulen bei der Aktion „Zu Fuß zur Schule und zum Kindergarten“ mitgemacht? Ist jetzt leider vorbei. Aber auch ohne Aktion können Eltern ihren Helikopter zuhause parken und den Kindern ein bisschen Freiheit gönnen. Tut auch der Gesundheit gut.

Was geht in der Welt rum? Masern sind nicht nur ein Problem bei uns. Auch exotische Urlaubsdestinationen wie Mauritius können betroffen sein. Dort sind seit März 937 Infektionen aufgetreten, 3 Erkrankte sind verstorben. Eine gute Impfung schützt vor dieser gefährlichen Krankheit, die nicht nur Kinder betrifft.

Was geht rum? 17. Februar 2018

Infekte haben im Moment ein leichtes Spiel. Draußen tanzt das Wetter einen Wiener Walzer von Sonne zu Schneestürmen. Die Menschen müssen und wollen sich enger zusammenkuscheln – und haben das an der Fastnacht gemacht. Das gibt den Viren die Chancen, die sie brauchen um die Barriere der Nasenschleimhaut zu überwinden. Das nennt sich zwar Erkältung, ist aber ein Virusinfekt.

Dies ist die Zeit der Grippe. Das sind die Infekte, die Husten machen, Schnupfen und Fieber. Aber viel mehr, als man glauben wollte. Die „Grippe“ – besser Influenza genannt – macht richtig krank: quälender Reizhusten, Kopfschmerzen, die nicht so recht schwinden wollen, oft hohes Fieber, das sich schlecht senken lässt und eine unsägliche Schlappheit. Die Influenza wirft alle um. Selbst jene, die sonst bei Schnupfen noch voll fit sind. Und sie dauert in dieser Schwere oft fünf Tage. Medikamente helfen nur wenig. Schmerzmittel können lindern, wenn die Kopf- und Gliederschmerzen unerträglich werden (meist Paracetamol oder Ibuprofen). Gut ist auch die Nase freizuhalten  – so gut es geht. Aber: abschwellende Nasentropfen führen gerne zum Nasenbluten. Und was hilft beim Husten: viel Trinken (egal ob kalt oder warm), grössere Kinder und Jugendliche können Bonbons lutschen, um den Hustenreiz zu stillen. Honig (am besten direkt vom Löffel), ist gut wirksam gegen den abendlichen Hustenreiz. Medikamente versprechen deutlich mehr als sie letztlich halten können.

Wie in der letzten Woche ist die Influenza führend unter den akuten Erkrankungen. Lange haben die Ringelröteln sich regional im Südwesten kräftig ausgebreitet, nun kommen sie nur noch vereinzelt vor.

An Kinderkrankheiten trat eine einzelne Erkrankung mit Windpocken auf.

Und was geht in der Welt rum? In Südafrika kam es in den vergangenen Wochen zu einem Ausbruch von Listeriose. Betroffen sind alle Provinzen, besonders Gauteng (59%) gefolgt von Western Cape (13%) und KwaZulu-Natal (7%). Unter den 820 festgestellten Erkrankten sind 82 Todesfälle aufgetreten. Die Infektionsquelle ist noch nicht ausgemacht. Die Erreger sind Bakterien, kommen bei Tieren vor und werden über Lebensmittel (Fleisch, Fisch, Milch) übertragen. Besonders stark betroffen sind Säuglinge. Reisende mit Kindern sollten vor Abreise sich zum aktuellen Stand informieren. Als Therapie stehen Antibiotika zur Verfügung.

Viele Leser des praxisblättle wünschen sich, „Was geht rum“ öfter und regelmäßig hier zu vorzufinden. Dem will ich gerne nachkommen. Dabei wird mich künftig Sven Supper unterstützen, der mein Nachfolger als Kinder- und Jugendarzt in Pfullendorf ist. Schon mal herzlichen Dank an dieser Stelle!