Schlagwort: Zecke

Was geht rum? 06. April 2019

In der letzten Woche ging die Häufigkeit von Infekten tendenziell weiter zurück. Zwar gibt es noch vereinzelt Erkrankungen an Influenza, aber die einfachen Virusinfekte überwiegen.

Regional tritt vermehrt das Drei-Tage-Fieber (Exanthema subitum) auf. Diese durch Viren verursachte Infektion ist sehr ansteckend, weswegen sie gerne bereits im Säuglings- und Kleinkindesalter auftritt. Damit verbunden ist auch ein etwas höheres Risiko für Infekt-/ Fieberkrämpfe.

Die Masern zeigen in der ersten drei Monaten dieses Jahres eine deutliche Häufung. Bis jetzt wurden 48 Erkrankungen im Ländle gemeldet (Vorjahr zur gleichen Zeit: 19). Allein in der letzten März-Woche traten in der Region Freiburg drei Neuerkrankungen auf.

Der erste massive Flug der Birkenpollen wurde durch die Kaltfront der letzten Tage erstmal ausgebremst. Mit den milderen Temperaturen der kommenden Woche wird sich das bald wieder ändern. Es bleibt also ratsam, die Antihistaminika (Cetirizin und andere) noch regelmäßig einzunehmen und abends die Pollen vom Körper abzuduschen. Die gute Seite des heftigen Pollenflugs: An Ostern dürfte das schlimmste vorbei sein und Birken-Allergiker können vielleicht in Ruhe Ostereier suchen.

Abbildung 1. Beginnendes Erythema migrans als erstes Zeichen einer Borreliose. Foto: ptw

Mit den erwarteten milderen Temperaturen der kommenden Woche werden auch die Zecken wieder flügge. Dann ist es ratsam abends die eigenen Kinder auf diese Tiere zu untersuchen. Zecken verkriechen sich oft in kuschelige Ecken. Also unbedingt den Nabel inspizieren, hinter die Ohren schauen, in Gelenkbeugen (Ellenbeuge, Kniekehle, Achsel) und auch im Genitalbereich nachsehen. Für Erwachsene gilt natürlich das gleiche. Sollte eine Zecke entfernt werden, muss die Einstichstelle über etwa 2 Wochen täglich beobachtet werden. Es könnte sich ein Ausschlag (Erythema migrans – siehe Abbildung 1) als Zeichen einer Borreliose ausbilden.

Was geht in der Welt rum? Es ist wieder einmal das Dengue-Fieber, das tropische Regionen heimsucht. Im Moment sind auch zwei typische Feriendestinationen betroffen: Die Region Mombasa in Kenia meldet 660 Verdachtsfälle. Auf Réunion sind es sogar 3.048 Erkrankungen und 5 Todesfälle. Mückenschutz tagsüber ist die bislang beste Möglichkeit, sich dieser Krankheit zu erwehren. Übrigens: Auch in Baden-Württemberg werden (mitgebrachte) Erkrankungen an Dengue-Fieber gemeldet. Bis 31. März 2019 waren es in diesem Jahr 36 Fälle (Vorjahr: 18). Ein diskreter Hinweis, dass diese Erkrankung weltweit immer mehr zunimmt und auch vor Touristen nicht halt macht. Warum auch!

Was geht rum? 23. März 2019

Der Frühling ist da, es wird wieder bunter im Südwesten. Die Infekte – vor einem Monat noch so beherrschend – nähern sich schnell dem ganzjährigen Normalniveau. Die letzten Kinder und Jugendliche mit Grippe sind dabei sich zu erholen. Kaum einer spricht mehr von der Grippewelle, die in diesem Winter recht glimpflich ablief. Momentan sind es wieder die unspezifischen Virusinfekte, die im Vordergrund stehen: Schnupfen (oder manchmal vielleicht doch eine Pollenallergie?), Husten, etwas Fieber.

Kinderkrankheiten spielen nur regional eine Rolle. Dann aber heftig als Masern: Nordbaden (Ortenaukreis, Baden-Baden, Karlsruhe), Freiburg und Konstanz. Insgesamt sind 41 Menschen daran erkrankt.

Jetzt ist schon die Zeit der Zecken. Sie lieben die Wärme und beginnen im März, die Erreger der Borreliose und der FSME zu verbreiten. Einzelheiten zu diesen Krankheitsbildern haben wir vor einem Jahr im praxisblättle beschrieben.

Abbildung 1. Meldedaten für die FSME nach Quartal zwischen 2012 und 2017 (insgesamt 1932 Meldungen). Foto: RKI

Für alle, die gegen die FSME geschützt sein wollen, ist jetzt ein guter Zeitpunkt, um sich mit der Impfung noch rechtzeitig in Stellung zu bringen. Denn – so zeigt die Abbildung 1 oben – bereits bis Ende März werden jedes Jahr Neuerkrankungen erfasst. In diesem Jahr sind bislang (Stand 22.03.2019) drei FSME-Infektionen in Baden-Württemberg gesichert, die letzte trat im Landkreis Biberach auf.

Unabhängig davon können auch Erkrankungen an Borreliose Kinder und Jugendliche bedrohen. Deswegen sollten Eltern ihre Kinder jeden Abend auf Zecken untersuchen. Und sich selber am besten auch (gegenseitig).

Die Pollen sind weiterhin gut unterwegs. Am Oberrhein stiegen die Belastungen mit Birkenpollen seit zwei Wochen rasant an. Insofern lohnt sich für alle Allergiker der Blick in die Hausapotheke. Sind für Atembeschwerden ausreichend Medikamente vorhanden? Stimmt die Haltbarkeit? Notfälle wie ein Asthmaanfall kommen nicht unbedingt häufig vor, oft aber für die Betroffenen unerwartet. Dann aber sollten Medikamente wie das Dosieraerosol (z.B. Salbutalmol) sofort greifbar sein, um Stress und Lebensrisiko zu vermeiden. Vermutlich wird sich der Pollenflug zu Beginn der kommenden Woche legen, wenn die Temperaturen wieder zurückgehen.

Was geht in der Welt rum? Im Moment setzt das Dengue-Fieber seinen Zug durch die Welt fort. Es kommt in allen tropischen Regionen und besonders in Asien vor. Aber die Zahlen, die aus Brasilien gemeldet beunruhigen speziell: 76.474 gemeldete Erkrankungen allein in diesem Jahr (mit 44 gesicherten Todesfällen). Betroffen sind besonders die Bundesstaaten Minas Gerais und Sao Paulo. Grund genug, auch in Brasilien als Reisende gezielter auf den Mückenschutz tagsüber zu achten.

Bald kommen wieder die Zecken – Risiko: Neuroborreliose

Vermutlich sind es nur noch Tage, bis die ersten Zecken wieder aktiver werden und sich auf Nahrungssuche begeben. Da kommen ihnen dann wandernde Menschen und Hunde gerade Recht.

Es wird geschätzt, dass in Deutschland jedes Jahr zwischen 60.000 und 200.000 Menschen an einer Borreliose erkranken. Unter diesen erkranken 3% – 15% an einer Neuroborreliose. Das bedeutet, dass die Erkrankung auch das Gehirn (zentrale Nervensystem) betrifft, teilweise mit entsprechend unangenehmen Folgen. Davon sind besonders Kleinkinder betroffen. Man vermutet einen Zusammenhang damit, dass junge Kinder gerne im Hals-/Kopfbereich von den Zecken gebissen werden.

Wichtig: Der Zeckenbiss wird nur von etwa 1 Drittel aller Betroffenen bemerkt. Wenn die anderen 2 Drittel erkranken, bringen sie somit ihre Symptome nicht mit einem Zeckenbiss in Verbindung. Wer keine Zecke an seinem Körper gesehen hat, kann also dennoch von einer Borreliose betroffen sein.

Wichtig: Zwischen einem Zeckenbiss und den ersten Symptomen einer Neuro-Borreliose vergehen nur sehr wenige Wochen.

In Europa zeigt sich eine neurologische Erkrankung im Rahmen der Lyme-Borreliose bei Kindern meist als Hirnhautentzündung (lymphozytäre Meningitis). Diese ist in über der Hälfte der Fälle von einer Hirnnervenlähmung (Fazialisparese) begleitet.

Wichtig: Die Lähmung eines Hirnnerven (Fazialisparese) ist bei Kindern oft das erste Symptom, das auf eine Neuro-Borreliose hinweist.

Die Hirnhautentzündung verläuft bei Kindern vielmals ohne schwere Symptome. Häufig bestehen Kopfschmerzen und Müdigkeit, manchmal auch Übelkeit und Erbrechen. Bei Verdacht auf eine Borreliose sollte im Zweifelsfall eine Untersuchung des Hirnwassers (Liquorpunktion) erfolgen, um gezielt behandeln zu können. Die Therapie erfolgt mit Antibiotika – in vielen Fällen oral – und ist bei frühzeitigem Beginn in den meisten Fällen erfolgreich. Nur in maximal 2% aller Kinder mit Neuro-Borreliosen treten nach Monaten oder Jahren Spätschäden auf.

Zecken auf der Haut sollten – wenn möglich – in den ersten 12 Stunden entfernt werden. Damit kann das Risiko für eine Infektion, also auch für eine Neuroborreliose, deutlich gesenkt werden.

Wichtig: Ab dem Frühjahr sollten Kinder jeden Abend vor dem Zu-Bett-Gehen von ihren Eltern auf Zecken untersucht werden. Dabei ist es wichtig „kuschelige Körperpartien“ zu untersuchen, in die sich die Zecke gerne zurückzieht: behaarter Kopf, hinterm Ohr, Achselhöhle, Nabel, Genitalregion.

Wichtig: Zur Entfernung wird empfohlen, die Zecke mit einer Pinzette möglichst tief (also knapp über der Haut) zu fassen und senkrecht nach oben herauszuziehen. Alternativ: die Streichelmethode.